#1

kremlin

Saarbrücken, Deutschland

Hallo zusammen,

meine Mutter ist nun bald eine Woche in Reha. Viel passiert ist noch nicht da erst gestern richtig mit dem Reha-Programm losgelegt wurde.

Ende letzter Woche hab ich Kontakt zu einem Arzt und zum Sozialdienst aufgenommen.
Der Arzt hat mir Angst gemacht und mich komplett verunsichert. Er hat der Lähmung der rechten Seite keine gute Prognose ausgestellt.
Wenn kein Wunder geschehe, wird meine Mutter laut seiner Aussage keine Treppen mehr gehen können. Ist so eine Prognose zu Beginn der Reha überhaupt möglich oder äußern sich Reha-Ärzte grundsätzlich immer recht pessimistisch um den Angehörigen keine unnötige Hoffnung zu machen? Das Gehen einer Treppe wäre grundlegend um in das Haus meiner Eltern zurückzukehren. 

#2

Amsel

Bad Mergentheim, Deutschland

Wenn bei Dir nicht Saarbrücken stehen würde, dann könnte ich auf den Gedanken kommen, dass Deine Mutter in der gleichen Reha-Klinik ist wie mein Mann damals. Oh Mann... da tummelten sich die gleichen Ignoranten.

Ich sag' dazu nur eines. Nachdem mein Mann 3 Tage Therapien hinter sich hatte verkündete man mir, dass ich besser gleich nach einem Pflegeplatz Ausschau halten solle weil mein Mann ein Schwerstpflegefall bleiben würde. Ich fürchte, das wäre er auch geblieben, wenn man sie hätte machen lassen. (leider lief da so einiges schief)

Die Prognose hörte ich auch noch 6 Wochen vor der Entlassung - auf welcher Basis weiss ich bis heute nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn. Der "Schwerstpflegefall" konnte 6 Monate nach der ersten Prognose Treppen steigen und sich ohne Hilfsmittel auf der rechten Seite schlurfend langsam und damals noch mit kleinen Schritten vorwärts bewegen. Heute, 1,5 Jahre nach dem Schlaganfall, geht er an guten Tagen 2 km (mit kleiner Pause auf halber Strecke), die Schritte sind größer geworden, das Schlurfen lässt nach. Mein Mann bewältigt heute - nach wie vor langsam aber ohne Probleme - 4 Treppen auf einem Rutsch. (ok, ich bin in der Zeit die Treppe 4 x rauf und runter gegangen, aber das ist m.E. nicht relevant. Die Hauptsache ist: sicher und dass überhaupt)

Seine anderen Defizite (Hand, Sprache, kognitive Fähigkeiten) verbessern sich ebenfalls.

Lass' Dich nicht ins Boxhorn jagen und achte darauf (sofern dank Corona überhaupt möglich), dass Deine Mutter ihre Therapien erhält (ich schreibe das aus gutem Grund), lass Dir von den Therapeuten sagen wo Du sie unterstützen kannst (ich habe z.B. mit meinem Mann im Bett Übungen mit Bein und Arm gemacht - man sollte allerdings wissen worauf man achten muss. Das zeigt Dir aber ein guter Physiotherapeut gerne) und ebenso versucht die Konzentration zu verbessern.

Ich hatte damals den Therapeuten regelmässig ins Ohr gesungen wie wichtig die Treppe ist und man hat dann damals den Schwerpunkt darauf gelegt. Mir war das Treppen steigen allerdings nicht wegen der Treppe an sich wichtig, denn dafür gibt es auch die Möglichkeit einen Treppenlift einbauen zu lassen. Ich drängte darauf, weil mein Mann leider zu Unvorsichtigkeiten neigte und ich hätte nicht sicher sein können, dass er in meiner Abwesenheit (man muss ja auch mal einkaufen) nicht doch versucht die Treppe zu nutzen.

Aber denkt doch mal darüber nach, ob ein Treppenlift eine Option wäre. Und das unabhängig von der ärztlichen Prognose. Ich würde das allerdings nicht im Gespräch mit den Ärzten und Therapeuten erwähnen.

Übrigens hatte ich nicht den Eindruck, dass damals unsere Reha-Ärzte darüber nachgedacht haben wie das auf Patient und Angehörige wirkt.

129 Aufrufe | 2 Beiträge