#1

Libby

Berlin, Deutschland

Therapiemöglichkeiten

Hallo zusammen,

ich bin fast seit einem Monat eine stille Leserin auf diesem Forum und bin sehr dankbar für viele Einträge und viele Meinungen hier.

Nun zu unserer Geschichte:

mein Papa hatte vor einem Monat eine massive Hirnblutung rechts erlitten und lag 3,5 Wochen in Koma. 

Jetzt ist er wach, hat eine Tracheostoma und atmet selbstständig. Einmal täglich kommt eine Logopädin um Schluckübungen mit ihm zu machen und sprechen zu üben. Physiotherapie kommt auch. Er kann noch nicht sitzen und bewegen kann er nur die rechte Hand und Zehen auf dem rechten Fuß.

Nächste Woche geht er in eine Frühreha (Phase B ). 

Kann mir bitte jemand schreiben, was für Therapien für Phase B möglich sind und wie viele Therapien am Tag angemessen sind. Ich verstehe schon, dass das alles von Zustand meines Vaters abhängig ist. 

Diese Informationen hätte ich gern, damit ich den Doktor und vielleicht die Therapeuten darauf ansprechen kann.

Ich habe große Angst, dass mein Papa nicht alle Therapien bekommen könnte und er soll schließlich gefördert werden.

Vielleicht kann mir jemand sagen, wie ich mich am besten verhalten soll, was soll ich unbedingt ansprechen.

Jeder Rat und jede Meinung ist willkommen. Vielen Dank im Voraus.

Ami 


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »Libby« (24.01.2020, 13:02)
#2

tron33

Berlin, Deutschland

Nächste Woche geht er in eine Frühreha (Phase B ). 

Kann mir bitte jemand schreiben, was für Therapien für Phase B möglich sind und wie viele Therapien am Tag angemessen sind. Ich verstehe schon, dass das alles von Zustand meines Vaters abhängig ist. 

Diese Informationen hätte ich gern, damit ich den Doktor und vielleicht die Therapeuten darauf ansprechen kann.

Ich habe große Angst, dass mein Papa nicht alle Therapien bekommen könnte und er soll schließlich gefördert werden.

Vielleicht kann mir jemand sagen, wie ich mich am besten verhalten soll, was soll ich unbedingt ansprechen.


Wie du schon schreibst, ist das wirklich ganz stark von seinem Zustand abhängig.
Gerade bei den schweren Fällen ist der Betroffene am Anfang sehr stark eingeschränkt, sehr schwach und überhaupt nicht belastbar. Da muss man sich ein wenig auf die Erfahrungen der Reha verlassen (können), denn jemand anders kann das nicht einschätzen. Dadurch, dass die Folgen eines Schlaganfalls für jeden Betroffenen anders sind, kommt schnell der Eindruck auf, dass nicht jeder "alles" bekommt. Dann ist der Zimmernachbar beispielsweise bei zig Therapien, macht Bewegungstherapien im Schwimmbad, bekommt Laufroboter und Elektrotherapien, während der eigene Angehörige "nur rumliegt". Dass der andere aber im unter Umständen gleichen körperlichen Zustand möglicherweise viel Leistungsfähiger ist, weiss man ja nicht.

Du musst die vorstellen, dass dein Papa in einem Heilungszustand ist, der Körper braucht Ruhe und Zeit zur Genesung und zur Reparatur der körperlichen Schäden.

Ich würde fragen, warum keine Ergotherapie möglich ist - das kann aber eben sehr stark vom Zustand oder der Leistungszeit anhängig sein und wäre, wenn nicht genug von beidem zur Verfügugn steht, vielleicht nachrangig hinter Physio und Logo.

Vielleicht kannst du dir auch die Therapiepläne und Therapieziele erklären lassen. Aber das würde ich nur machen, wenn ich auch irgendwie für meinen Papa zuständig bin, also falls deine Mutti zum Beispiel vorsorgebevollmächtig ist oder vom Gericht als Betreuer eingesetzt ist, kann man nicht erwarten, dass die Mitarbeiter sich die Zeit für jeden Angehörigen nehmen können.

Vielleicht kannst du auch mit zu den Therapien gehen, wenn es bei dir zeitlich passt und deinen Papa nicht stört.
Dann erfährst du aus allererster Hand, was gemacht wird, was vielleicht noch machbar ist, wie der Plan ausschaut und so weiter.
Normalerweise ist das kein Problem, zumindest konnte ich häufig und viel dabei sein, allerdings war ich auch immer zusätzlich in der Rolle des Betreuers. Eigentlich sind die Therapeuten den engen Angehörigen gegenüber aber ausgesprochen offen, denn letztlich müssen die sich später auch um den Betroffenen kümmern und da ist es ja sehr zielführend, wenn sie sich von Anfang an einbinden - sollte also auch für dich kein allzugroßes Problem werden, ab und an mitzuegehen. Einschränkungen ergaben sich alelrdings häufig bei "Großraum"-Anwendungen, bei denen mehrere Patienten im gleichen Raum beahndelt wurden. Dass man da als Angehöriger nicht so unbedingt dazwischen herum sitzen sollte, ist aber eigentlich klar.

LG

#3

Schneepflug

Meiningen, Deutschland

Hallo! Also meine Erfahrung ist die das man je früher man intensiv mit dem Bewegungstraining anfängt je besser und schneller wird es. Kann man einen Körperteil nicht selbst bewegen, so muss es bewegt werden. Das so oft wie möglich. Im Krankenhaus oder Reha hab ich oft gehört....bleiben Sie im Rollstuhl sitzen, sie können hin fallen...! Klar sind das die Ängste des Personals, wenn sie sagen aufstehen und bewegen und es passiert was, sind sie in der Haftung. Also ist es für sie besser man tut nix, passiert auch nix. Wichtig ist das jeder Betroffene in seinem Rahmen was gegen seine Einschränkungen tut und das so oft und so langer er das kann. Pfeift drauf was das Personal sagt. Wie sage ich immer....wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat verloren. Ich zum Beispiel hab mich selber aus dem Rollstuhl hoch gezogen und bin am Geländer im Krankenhaus gelaufen. Erst nur wenige Meter nach einigen Tagen ging schon der ganze Flur, zum Wechsel auf die andere Seite, mein linker Arm ging da noch garnicht, mussten mir die Schwestern helfen. Die leckersten natürlich aber was nutze es, der Rollstuhl stand am andere Ende.. Nach 4 Wochen KH und 12 Wochen Reha bin ich auf meinen ersten Berg danach gelaufen, ca 6 km. Zugegeben ich war fix und fertig aber stolz und froh das es wieder geht und ich es geschafft habe.

Klar, Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall und ich hatte wohl doch so einige Schutzengel aber ich hab auch viel dafür getan.

Wichtig ist das die Patienten immer motiviert werden was zu tun, egal was. Es ist alles besser als nix zu tun. Übrigends gibt es Studien das Musik hören das Hirn dazu bewegt sich schneller zu regenerieren, Fernsehen macht das nicht so. LG und gute Besserung 

#4

Libby

Berlin, Deutschland

Hallo! Also meine Erfahrung ist die das man je früher man intensiv mit dem Bewegungstraining anfängt je besser und schneller wird es.

 

Hallo Schneepflug, ich stimme dir zu. Üben, üben und nochmal üben. Nur ist mein Vater erstmal auf fremde Hilfe angewiesen. Wenn er irgendwann soweit ist, dann macht er bestimmt ganz viel von alleine. 

Danke für den Tipp mit der Musik.

#5

Libby

Berlin, Deutschland


Wie du schon schreibst, ist das wirklich ganz stark von seinem Zustand abhängig.
Gerade bei den schweren Fällen ist der Betroffene am Anfang sehr stark eingeschränkt, sehr schwach und überhaupt nicht belastbar. 

 

Hallo tron,

danke für deine Rückmeldung. 

Mein Vati ist jetzt seit einer Woche in der Frühreha und an Mittwoch habe ich ein Gespräch mit dem Stationsarzt. 

Momentan habe ich leider das Gefühl, dass für meinen Vater nicht viel gemacht wird. Er bekommt Logopädie einmal am Tag und Physio (dabei wird er mit Hilfsmitteln ins Stehen gebracht und sitzt danach zwei Stunden im Rollstuhl). Das sind alle seine Therapien.

Wir massieren ihn und machen mit ihm passive Bewegungen, wie Beine und Arme beugen.

Leider ist er noch zu schwach um selber aufzustehen. Er kann jetzt sein Kopf rechts und links im liegen bewegen, rechtes Arm beugen und sein rechtes Bein/Fuß gaaanz wenig bewegen. Vor einer Woche konnte er nur seine rechte Hand bewegen. Er hat auch einpaar mal sein linkes Bein und Arm bewegt, aber diese Bewegungen sahen irgendwie andres aus (vielleicht weil die linke Seite gelähmt sein soll). Das sind kleine Fortschritte und ich freue mich sehr darauf.

Ich weiß nicht, ob ich zu viel von den Therapeuten erwarte und vielleicht ist alles andere zu viel für ihn.

Ich bin seine Betreuerin und ich habe das Gefühl, dass ich ihn nicht gut genug betreue bzw. mich nicht gut genug für ihn einsetze.

#6

tron33

Berlin, Deutschland


Wieso hast du das Gefühl, dass du ihn als Betreuer nicht genug betreuest?
Das ist ja nur eine Art Funktion.


Hast du das Gefühl, du müsstest als Betreuer mehr für ihn tun, als du es "bloß" als Tochter tun würdest?
Der Betreuerstatus stärkt dir ja den Rücken und gibt dir Rechte, z.B. mehr über Dinge zu erfahren, als dir als Tochter ohne Einverständnis des Betroffenen möglich wäre. Oder das Recht, Sachen zu entscheiden, zu denen dich vorher keiner gefragt hätte. Damit einher geht ein ganz dicker Sack Verantwortung, denn für eigene Entscheidungen muss "nur" man selbst mit den Folgen klar kommen, wenn man für jemand anderen sorgt, muss der aber damit leben. Das ist anfangs eine komische Kiste - irgendwann gewöhnt man sich aber an diese Verantwortung.

Wie schon geschrieben, kannst du mit Fragen und Präsenz schon ein wenig Einfluß ausüben. Ich hatte damals das Gefühl, dass es etwas besser läuft, wenn dort jemand ist, der regelmäßig nachfragt, sich interessiert und kümmert.

Was du gegenüber deinem Papa immer ausstrahlen kannst, ist, dass du die Sache im Griff hast. Ich glaube, das ist bei solchen Sachen, wo man so absolut aus dem Lebensalltag gerissen wird, ein ganz wichtiger Punkt, um innerlich seinen Frieden zu finden und nicht zu den gesundheitlichen Ängsten noch materielle Zukunfstängste haben zu müssen.

Also - ich denke mal, die finanziellen Dinge gehören auch zu deinem Umfang? - zeig ihm auf, dass du die finanziellen Dinge geregelt bekommst, Wohnung/Haus, Versicherungen und sowas alles nicht in Gefahr sind.
Nicht zu sehr im Detail, das wird zuviel, aber halt so, dass er sich in dieser Richtung keine Sorgen machen muss.

Auch wichtig find ich, dass man seine eigenen Sorgen draussen vor der Tür lässt. Fällt manchmal nicht leicht, aber irgendwann kann man von alleine anfangen zu lächeln, wenn man die Tür aufmacht, ich hab immer schon auf dem Klinkiflur angefangen zu lächeln, dann wars bis dahin irgendwie verinnerlicht.

In der Frühreha ist die Therapiedichte ja eher gar nicht höher möglich. Gerade, wenn er selbst noch nicht wieder mobil genug ist, wird alleine das rein-raus aus dem Bett für sich genommen schon eine Belastung. Mit zunehemnden körperlichen Möglichkeiten werden sicher auch die Therapieeinheiten angepasst. Wobei man aber auch sehen muss, dass soweohl eine einfache, als auch eine intensive Therapieeinheit in der gleichen Zeit stattfinden können, die Intensität also nicht mit der Dauer verbunden ist.

LG

#7

Libby

Berlin, Deutschland


Wieso hast du das Gefühl, dass du ihn als Betreuer nicht genug betreuest?
Das ist ja nur eine Art Funktion.

 

Ich denke, dass in der Rehe, wo er jetzt ist nicht um seine Genesung geht. 

Wie kann er im Bett liegend gesund werden?

Ich kann beschrieben was er an Therapien hat:

- Für 10 min kommt eine Logopädin und tauscht die "Nase" bei Tracheostoma. Schluckübungen werden nicht gemacht. Als ich gestern bei ihm war und auf ihn aufpassen könnte, dann dürfte er ganze 40 min durch die Nase ausatmen und mit mir sprechen. Das kann er. Er redet auch adäquat. Aber wenn ich nicht da bin, kriegt er nur 10 min, weil er angeblich nicht mehr schafft. Ansonsten ist sein Tracheostoma verblockt.

- Physio macht 2-3 Hüftdrehungen und Beinbeugen mit ihm im liegen. Er steht mir Hilfe ca. 2 min. Versucht sein Kopf hochzuhalten, aber es fällt leider (da hat er noch nicht viel Kraft hat sein Kopf lange hochzuhalten). Das ganze dauert mit Anziehen ca. 10 min und dann sitzt er 2 Stunden in Rohlstull und wird ins Bett gebracht.

 

Er liegt wach im Bett und als ich ihn fragte, ob er müde ist, hat er mir gedeutet, dass er das nicht ist. 

Ich habe jetzt 1,5 Wochen Urlaub und kann zu ihm jeden Tag fahren und wenigsten bei der Logopädie aufzupassen.

Danach muss ich zu Arbeit und dann liegt er dort wieder die ganze Zeit nur rum oder sitzt im Rollstuhl.

Bald habe ich einen Termin beim Stationsarzt und spreche mit ihm über alles. Ich weiß aber leider nicht nach welchen Therapien ich ansonsten fragen kann. Ja, er kann nichts aktiv tun, aber vielleicht gibt es etwas was man passiv machen kann, wie z.B. Elektrostimulation? Er ist nicht kaputt im Kopf und er ist wach. Er hat einseitige Lähmung und ist körperlich geschwächt. Zum essen kriegt er das Zeug aus den Tüten über die Magensonde, natürlich ist er schwach mit dem Zeug als Ernährung und ohne frische Luft.

Um seine Finanzen kümmere ich mich inoffiziel. Er hat mit meiner Mutter ein gemeinsames Konto. Und bevor du mich fragst, was mit meiner Mutter ist: ihr ist das ganze zu viel. Mein Papa hat sich um alles gekümmert und jetzt ist sie überfordert und will ihn so nicht sehen. 

#8

tron33

Berlin, Deutschland


Bald habe ich einen Termin beim Stationsarzt und spreche mit ihm über alles. Ich weiß aber leider nicht nach welchen Therapien ich ansonsten fragen kann. Ja, er kann nichts aktiv tun, aber vielleicht gibt es etwas was man passiv machen kann, wie z.B. Elektrostimulation?

 
Naja, aktuell scheints ja noch darum zu gehen, ihn wieder auf das eigenständige Nasenatmen und so weiter zu bringen - da ist für mehr wohl auch keine Kraft/Energie da. Andere Therapien werden später vielleicht dazukommen.

"Bald habe ich einen Termin" darfst du dir gar nicht erst angewöhnen. Diese Angehörigentermingeschichte ist mir von Anfang an auf die Dings gegangen. Du bist als Betreuer da und hast im Namen und Anstelle des Betreuten das Recht Fragen zu stellen und Antworten zu verlangen. Da hat der Arzt bitte schön mal um die Ecke zu kommen für ein paar Minuten und dir alles zu erklären. Genau mit diesem Selbstverständnis musst du das auch als Betreuer einfordern.

Andere unbetreute Patienten müssen doch auch kein Termine vereinbaren, um den Therapieablauf zu besprechen, das wird dort ja im Rahmen der Visite gemacht. Also kann der dir das in deiner Stellvertreterfunktion als Betreuer ganz genauso erklären, bzw. ist sogar dazu verpflichtet. Du musst eben immer darauf hinweisen, dass du die Fragen als Betreuer hast und nicht als Tochter.

LG

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