#1

Peter

Bad Vöslau, Österreich

Pflegefall oder nicht - es geht mehr als man selbst denkt!

Im Januar 2012 erlitt ich völlig unerwartet einen sehr schweren Schlaganfall (Wallenbergsyndrom). Es ging ganz schnell und ich verlor völlig mein Gleichgewicht, hatte rotierende Pupillen, konnte nicht sprechen, nicht gehen, nicht essen und tringen. Zusammengefasst konnte ich nichts und dachte jetzt ist es passiert, ich bin ein Pflegefall.

 

Noch auf der Stroke-Unit-Station im Krankenhaus fasste ich den Entschluss, das kann es doch nicht gewesen sein. Ich war gerade mal 50 Jahre alt un hatte ein schönes Leben. Also sagte ich den Ärzten, ihr seit die Fachleute, d.h. ihr sagt was ich machen soll und ich mache es dann. Zu dieser Zeit dachte ich, es kann wieder werden wie es mal war. Noch in der Stroke-Unit-Station konnte ich im Rollstuhl sitzen. Ein erster riesiger Fortschritt, denn ich musste nicht mehr auf die Bettpfanne. Nach dem Krankenhaus kam ich direkt noch in zwei Rehabilitationskliniken. Ich machte alle Therapien (Logo, Ergo, Physio, Entspannung, ...) mit und es wurde von Woche zu Woche besser. Zuerst lernte ich mit dem Rollstuhl fahren, dann kam der Rollator, danach die Krücken und dann die Walking-Stöcke. Es ging unerwartet schnell und zu meinem 50.Geburtstag war klar ich bin kein Pflegefall mehr und kann mich eigentlich auch selbst versorgen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch es wird alles wie es mal war.

Nach der Reha kam ich dann nach Hause und musste meinen eigenen Lebensrythmus finden. Es drehte sich alles um Therapien und auch die richtige Ernährung. An manchen Tagen hatte ich 2 bis 3 Therapiestunden am Tag. Leider ist es dnn doch so, dass mehr nicht automatisch auch besser ist. Ich lernte, dass man auch negativ Trainieren kann und das mein Körper viel öfters mal eine Pause braucht. Mein Neurologe schickte mich zu einer Psychotherapeutin, die mir sehr geholfen hat die neue Situation gut zu meistern. Das erste was ich lernte "es wird nie mehr so wie es mal war" - ok. Mit Ihrer Hilfe fand ich dann meine neuen Ziele und meinen neuen Lebensrythmus.

Inzwischen bekam ich dann auch die Berufsunfähigkeitspension, erst befristet und inzwischen unbefristet. Vom Schlaganfall ist mir dann doch eine taube und Temperatur und Spitz unempfindliche rechte Körperhälfte geblieben. Im Gesicht ist es auf der linken Gesichtshälfte, was zusätzlich dann auch das linke Auge beeinflusst. Es ist empfindlicher und langsamer als das Rechte Auge.

In den nun schon 8 Jahren seit dem Schlaganfall habe ich dann alles probiert - Physio, Logo, Ergo, Akkupunktur, Kranjosacral, Faszien, Ortoptistin, Schwimmen, Walken, Radfahren, Kochkurse, ... Alle Therapien fühlten sich gut an und ich dachte es wird besser. Das war aber immer nur am Anfang, dauerhaft gab es eigentlich keine Veränderung zu 2012 nach der Reha.

Zwischenzeitlich hatte ich Probleme mit einer Gürtelrose, dann hatte ich starken Vitamin und Hormonmangel und zuletzt habe ich einige Tabletten nicht vertragen, die gegen das Kribbeln waren und die dann abgesetzt werden mussten. Von Markumar wurde ich dann auch auf Eliquis bzw. auch Xarelto umgestellt. Diese Tabletten sind zwar einfacher zu händeln, aber ich habe sie nicht vertragen und nehme deshalb wieder Markumar. Mit den neuen Blutverdünnern war ich nur noch müde und schwitze den ganzen Tag. Zugenommen habe ich dadurch auch (+10kg).

In diesem Jahr habe ich jetzt meinen eigenen Rythmus wieder gefunden. Ich gehe wieder zur Logo- und Physiotherapie, weil sie mir über die Zeit gesehen doch gut tun. Selbst gehe ich walken und schwimmen und versuche mich im gesund hochen. Ich bin in einer Kochrunde mit einer Ernährungswissenschaftlerin und vielen netten Leuten.

8 Jahre nach meinem Schlaganfall bin ich aber immer noch sehr froh, dass ich kein Pflegefall geworden bin und trotz Beeinträchtigungen nun mein Leben trotzdem noch genießen kann. Auch wenn es nie mehr so geworden ist wie es war, bleibt es einem selbst überlassen was man daraus machen will. Ich habe gelernt, dass doch mehr geht als man selber denkt. Ich bin heute allen meinen Ärzten, Therapeuten und Pflegern super dankbar, denn ohne Ihre Hilfe und Ihren persönlichen Einsatz wäre es nicht gegangen. natürlich gehört auch ein bisschen Glück im Unglück dazu und den ein oder anderen trifft es noch schlimmer. Trotzdem sollten wir nie aufgeben.

Im Forrum geht es oft um Therapien, die eventuell doch helfen. Hier habe ich gelernt, dass man ruhig alles einmal ausprobieren darf und muss, denn die Therapien wirken bei jedem Menschen anders. Ich werde die Info´s aus dem Forum gut verfolgen und wenn es was neues gibt, dann werde ich versuchen es für mich auszuprobieren.

 

 

 


#2

Flo1996

Saarlouis, Deutschland

Hallo schön zu hören das es ihnen soweit gut geht . 
Mein papa hat leider vor 2 Wochen auch 2 schlaganfälle gehabt mediale arterie war zu und das 2 mal . Er würde 2 mal operiert um 21 uhr und dann nachts um 3 uhr. Danach war war er auf die stroke unit könnte die linke Seite bewegen die rechte war gelähmt und er könnte nicht mehr sprechen. Abends haben sie ihn ins künstlichen koma versetzt weil er eine starke Lungenentzündung bekommen hat wir würden angerufen wir sollen sofort kommen weil er in einem sehr kritischen zustand wäre er hat es gott sein dank gepackt. Hat heute ein Luftröhrenschnitt und fängt seit gestern an selbstständig zu atmen. Er macht ab und zu die augen auf aber er würde ins leere schauen. Da wir ihn nicht besuchen können gehen wegen dem coronavirus kriegen wir nur informationen von den Ärzten. Laut ärzte wäre der Schlaganfall sehr groß gewesen und kann sein das er ein pflegefall wird . Wir wissen nicht mehr weiter wollte mal gerne wissen wie die Prognosen damals bei ihnen waren ob die Ärzte auch so negativ eingestellt waren.

lg floriana

#3

Angie

Untermettingen, Deutschland

Hallo Peter,

bei mir war der Schlaganfall 2010. Da waren meine jüngsten 2 grade mal 3 Monate alt, ich war 39. Ich habe auch viel probiert, aber mittlerweile geht es auch ohne Therapie. Das leben ist zu kurz um mich mit mir zu befassen 😉

Hallo flo,

wie alt ist denn dein Vater? Die Ärzte gehen immer vom schlimmsten aus und geben das auch weiter. Ich hoffe für dich das die Coronageschichte bald vorbei ist und ihr zu ihm dürft.

Viele Grüße

Angie

#4

Flo1996

Saarlouis, Deutschland

Mein Vater ist 63 ... er hatte noch nie was gehabt... und so plötzlich von einer sekunde auf die andere ist alles anders. Heute meinte die Neurologin das er erst mal wach werden muss um bleibende schäden zu sehen. Vom CT her wäre es ein sehr großer schlaganfall gewesen . Die von der Anästhesie sagen er wird ganz gelähmt sein und sollen uns gedanken machen um pflegeheim und die Neurologin meint wir sollen abwarten geduld haben . Er würde auf petzen reagieren mit dem Blutdruck und Puls. Wenn man ihn ruft würde er nur kurz die Augen öffnen und wieder zu machen. 
Und dann kommt diese Sachen mit diesem virus das wir garnicht bei ihm sein können 😞

#5

Peter

Bad Vöslau, Österreich

Hallo Flo1996,

ich habe meinen Schlaganfall so ausführlich beschrieben, da ich allen Betroffenen sagen möchte, gebt nie auf. Es geht mit den entsprechenden Therapien wirklich viel. Natürlich kann Niemand zaubern und es geht immer auf und ab. Als Betroffener wird man sehr verletzlich und empfindlich. Man braucht sehr viel Geduld und es kann natürlich auch sein, dass man doch ein Pflegefall bleibt.

Für den Betroffenen ist die Familie sehr wichtig. Die Familie sind die "Verbündeten". Die Ärzte und Therapeuten sind die Fachleute, zu denen man auch entsprechendes Vertrauen braucht. Vergesst nie, dass der menschliche Körper keine Maschine ist und jeder Arzt andere Erfahrungen hat. Deshalb sollte man sich immer anhören was andere Ärzte und Therapeuten so sagen.

Ganz wichtig, mitmachen und auf die Therapeuten und Ärzte hören. Ich habe in den Krankenhäusern und Rehas keinen Arzt oder Therapeuten und Pfleger erlebt, wo man behaupten könnte er wäre schlecht. Alle waren sehr bemüht, weshalb es auch wichtig ist mitzumachen. Tut man das nicht oder nur missmutig, dann wenden sich die Ärzte und Therapeuten natürlich anderen Menschen zu, die ihre Hilfe brauchen.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden!

Ich habe in den Rehas Menschen erlebt, die bereits 5 Schlaganfälle hatten. Daraufhin habe ich die Ärzte gefragt, ob ich auch mit mehreren Schlaganfällen zu rechnen habe. Sie haben mir damals gesagt, dass viele Menschen die mehrere Schlaganfälle bekommen ihre Medikamente nicht genommen haben. Die Medikamente muss man sein Leben lang nehmen. Wir können Glücklich sein, dass es diese Medikamente gibt. Ohne sie sähe es anders aus.

 Ich wünsche Allen viel Kraft.

#6

Peter

Bad Vöslau, Österreich

Hallo Angi,

die Tochter meines Neurologen hat bereits als Kind einen Schlaganfall erlitten und sitzt deshalb im Rollstuhl. Es kann also Jeder einen Schlaganfall erleiden.

In Österreich gibt es rd. 380.000 Schlaganfälle im Jahr. Das ist unglaublich, besonders wenn man es auf den Tag umrechnet.

Ich finde Deinen Gedanken gut, dass das Leben viel zu kostbar ist, als sich den ganzen Tag mit der Krankheit zu beschäftigen.

So eine Phase hatte ich auch und mein Neurologe hat mich zum Psychotherpeuten geschickt. Ich habe dort gelernt, dass man eben auch negativ trainieren kann, wenn man dem Körper seine Pausen nicht gibt - das hat nix mit Ausdauer zu tun. Das mussten meine Verwandten und Freunde auch erst lernen. Das Leben bekommt ein anderes Tempo - gemütlicher.

Das ist ja nicht zwingend schlechter.

In diesem Sinne weiter viel Kraft und Erfolg.

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