#1

nette

, Deutschland

Hallo,

mein Mann hatte 2011 den ersten, 2015 den zweiten SA. Physisch wenig Folgen, geistig und psychisch stark. Er ist kein Partner mehr in dem Sinne, emotional verflacht, begreift schwierige Sachverhalte nicht mehr, extreme Gedächtnisprobleme, was natürlich auch unsere gemeinsame Geschichte betrifft. Intimität hat er nach meiner Brustkrebserkrankung 2013 einfach eingestellt.

Wir leben zusammen, ich bin auch froh, dass er lebt. Aber es wird zunehmend schwierig. Bisher lebte immer noch mindestens ein Kind daheim. Nun steht das Letzte vor dem Auszug (ist momentan bei Freundin). Dazu kommt Corona, alle üblichen Dinge und Menschen, mit denen ich mich ablenke ansonsten, sind unmöglich, da ich wg. Immunsupprimierung ans Haus gefesselt. Mit jemand, der nicht mit mir redet von sich aus, der wenn überhaupt, nur kurze Sätze spricht und Floskeln vorwiegend. Ein Austausch findet nicht statt.

Ich bin jetzt 60, werde meinerseits immer kränker und sehe momentan alles schwarz in der Zukunft. Wie geht Ihr mit solchen Zeiten um?

#2

jup11

Quarnbek, Deutschland

Hallo Nette,

du muss sehen, dass du mehr für dich machst, es ist ja nicht zu erwarten, dass es bei deinem Mann besser wird. Den ersten Schritt hast du ja schon gemacht, indem du hier über deine Probleme berichtest. Kann dein Mann nicht mehrere Tage in der Woche zur Tagespflege gehen, denn kannst du dich mit anderen treffen, im Moment ist es wegen Corona schwierig. Es gibt auch die Möglichkeit, dass dein Mann Kurzzeitpflege macht, denn kannst du auch mal in Urlaub.

Jürgen

https://www.schlaganfall-info.de/com/Drei_Jahre_danach.pdf

 

#3

Marganna

Rheinland, Deutschland

Hallo Nette,

ich kann dich gut verstehen, es ist alles sehr bedrückend und deprimierend in dieser Zeit. Mein Mann ist auch betroffen, er kann sprechen aber trotzdem ist er nicht mehr der Mensch von früher. Mich belastet es auch sehr ihm "beim krank sein" zusehen zu müssen. Ablenkung habe ich auch wenig, Wochenenden und Feiertagen sehe ich mit Schrecken entgegen. Ich tue mich sehr schwer mit der ganzen, noch relativ neuen Situation und sehe die Zukunft auch nur schwarz. Dazu bin ich selbst chronisch krank und oft fehlt mir die Kraft überhaupt weiterzumachen. Habe mit einer Psychotherapie begonnen um nicht ganz unterzugehen, ich hoffe es hilft ein bisschen. Wäre das eventuell auch etwas für dich? 

#4

Amsel

Bad Mergentheim, Deutschland

Dazu kommt Corona, alle üblichen Dinge und Menschen, mit denen ich mich ablenke ansonsten, sind unmöglich, da ich wg. Immunsupprimierung ans Haus gefesselt. Mit jemand, der nicht mit mir redet von sich aus, der wenn überhaupt, nur kurze Sätze spricht und Floskeln vorwiegend. Ein Austausch findet nicht statt.

Ich bin jetzt 60, werde meinerseits immer kränker und sehe momentan alles schwarz in der Zukunft. Wie geht Ihr mit solchen Zeiten um?

Liebe nette,

ja, die innere Einsamkeit - wenn der Partner psychisch kein Partner mehr ist und die Freunde sich alle getrollt haben... damit muss man erst einmal umgehen können.

Ich kann's nicht immer, traue mich aber auch nicht mehr im realen Leben zu berichten wie es mir manchmal innerlich alles abdrückt. Damit möchte niemand belästigt werden - teilweise kann ich das sogar nachvollziehen.

Ich bin ja, im Gegensatz zu Dir, noch in der Anfangsphase.. und hatte eigentlich gerade erst begonnen zu begreifen, dass ich mich, wenn wir weiterhin Kontakte pflegen wollen, nach Alternativen zum bisherigen Bekanntenkreis umsehen muss. Und dann kam Corona.. tscha..

Wie überbrücke ich die Zeit? Hier schreiben hat mir geholfen (im Moment fehlt mir die Zeit etwas - kommt aber sicher wieder) und dann hatte ich mich noch in einem Frauenforum eingeklinkt. Einfach um auch mal andere Themen als Krankheit und Schlaganfall im Kopf haben zu können. Dort habe ich mich allerdings wieder getrollt weil ich die (vereinfacht formuliert) Umgangsformen einiger weniger Damen nicht ab haben konnte. Und da mir virtuelle Kontakte gut tun müssen, habe ich mich wieder davon geschlichen. Ich werde aber ganz sicher noch in ein Forum allgemeiner Natur einsteigen.. irgendwo wird sich etwas finden bei dem ich abschalten kann.

Ja, und dann habe ich wieder damit angefangen zu lesen. Früher war ich ein Bücherwurm, dann kam eine ziemlich harte berufliche Phase in der ich mich nicht mehr darauf konzentrieren konnte.. und ja.. hurra.. jetzt kann ich das wieder und das lenkt mich tatsächlich ab.

Und nach Corona werde ich aber ganz sicher daran arbeiten neue reale Kontakte aufzubauen. Ich vermisse das so sehr, dass mich mal jemand in den Arm nimmt und einfach nur drückt. Und sei es nur für einen kurzen Moment.

Ich finde es übrigens gut, dass Du hier formuliert hast wie es Dir geht und wie Du Deinen Mann erlebst. Ich gehe davon aus, dass Du nicht die Ausnahme bist - es gibt nur kaum jemand zu weil wir die Erfahrung machen, dass Außenstehende gar nicht begreifen dass nicht nur eine körperliche Pflege eine Herausforderung ist.

#5

Amsel

Bad Mergentheim, Deutschland

Hallo,

….

Ich bin jetzt 60, werde meinerseits immer kränker und sehe momentan alles schwarz in der Zukunft. Wie geht Ihr mit solchen Zeiten um?

Liebe nette...

bist Du noch da? Wie geht es Dir heute? Nachdem das zweite Mal Corona verstärkt zuschlägt und jegliche Außenkontakte verkompliziert?

Viele Grüße

Amsel

#6

Heinz

königswinter, Deutschland

Hallo Nette,

eigentlich wollte ich als seit nahezu 50 Jahren selbst Betroffener nichts zu Deiner Frage schreiben.

Andererseits sehe ich die politisch inszenierte Corona-Panikmache als eine individuelle große Herausforderung an. Denn wenn die Politik so weitermacht, haben wir künftig nur noch kranke und Tote. Der Rest hat nichts mehr zu essen.

Ich sehe die Corona Grippe als eine lebensgefährliche Situation. Ähnlich meiner im Alter von 19 Jahren erlebten Hirnblutung mit Atemstillstand und Nahtoderfahrung. Mit dem Aussicht als Mehrfachbehinderter künftig in einem Pflegeheim dahin zu vegetieren.

In den letzten Jahren musste ich immer wieder gegen meine Resignation ankämpfen.

Erst, weil keine offizielle Stelle bereit war mich zu unterstützen. Formulare waren, weil ich nichts vom Verwaltungsgebaren wusste, mein größter Gegner.

Dann waren Institutionen mit ihren Formalisten mein Gegner, weil es nicht sein kann, was nicht sein kann. Denn ich wollte trotz meiner starken Behinderungen wieder in einen Arbeitsprozess zurückfinden. Die Formalisten der Versicherungen und Verwaltungen konnten es sich nicht vorstellen und ließen mich durch die “Knüppelgassen“ der Ablehnungen laufen:

Hinein in die Scheune, hinten war die Tür aufgestoßen und ehe ich mich versah, war ich wieder draußen. (Warum geben sie denn noch immer nicht auf? Waren ihre Fragen zu meinen Versuchen.)

Das hat Ähnlichkeit mit der heutigen nicht mehr nachvollziehbaren Angstmachenden Corona Horrorpolitik. Wo ist eine Lösung, oder ein Ziel? Impfen???

Dann im Beruf zurück, erst mal Arbeitslosigkeit, weil der Schwerbehinderte ja besonders gefördert wird!? Dann Mobbing, weil ja nicht sein darf , was nicht sein kann.

Warum ich das so darstelle?

Ich suchte mir eine Lösung. Meiner individuelle Lösung für mich:

Ich hatte verstanden, dass die Wissenschaft nichts weiß! Das gibt sie auch zu! Die aktuelle Wissenschaft geht lediglich von Erfahrungswerten der letzten 50 Jahre aus. Wenn dann was Neues kommt?

Als ich das begriff, nahm ich alle Informationen der Wissenschaft und nutzte sie für mich. Dann suchte ich nach ganzheitlichen gangbaren Wegen, um aus den ständigen Ausweglosigkeiten wieder herauszufinden. Glücklicherweise traf ich auf meinem Lebensweg auf einen Menschen, der es geschafft hatte aus seiner KZ Inhaftierung wieder entlassen zu werden und einen Menschen, der trotz einer Hirnschädigung, die er im Krieg durch einen Kopfschuss erlitten hatte, wieder zurück im Leben, nach dem Krieg für die Kriegsbeschädigten das Schwerbeschädigtengesetz, dass später zum für alle gültigen Schwerbehindertengesetz umgewandelt wurde mitgestaltet hatte.

Ihre beispielhafte Suche nach Überwindung schwierigster Resignationssituationen führte dazu, dass ich im Dialog mit diesen Menschen und anderen ähnlich betroffenen, meinen Weg finden konnte. Meine wichtigsten Hilfsmittel waren dabei, die Familie und später das Autogene Training (das, obwohl ich es anfänglich abgelehnt hatte) und später für mich machbare Yoga Techniken und meine kreativen Arbeiten. Derzeit schreibe ich an einem Buch über die Hilfe zur Selbsthilfe. Ansonsten könnte ich in dieser Corona Pandemie Angstmache nur schwierig überleben.

Wie beschrieben, halte ich die Regeln der Vorsicht ein, lasse mich jedoch nicht auf die Angst ein. Zu meinem Glück kann ich auf meine Nahtoderfahrungen zurückgreifen. Versucht Euch nicht auf die Angst einzulassen!

Ich bin kein gutes Beispiel, weil ich mich seit nahezu 50 Jahren nicht an alles zum Überleben zwingend erforderliche eingelassen habe. Vor 50 Jahren habe ich alle lebenswichtigen Medikamente abgelehnt. Von den Ärzten wurde dies als unverantwortlich untersagt. Ich habe mich trotzdem gewehrt. Es hat mir nicht geschadet. Ich lebe auch heute noch ohne diese Medikamente. Mittlerweile nehme ich allerdings auch Blutdrucksenkende Medikamente. Ich müsste meine Ernährung besser einstellen, dann bräuchte ich die wahrscheinlich auch nicht mehr. Ich arbeite daran.

Ich warne davor lebenswichtige Medikamente nicht zu nehmen! Was ich jedoch anrege ist, die Diskussion mit den Ärzten, ob man nach längerer Einnahme nicht überprüfen könnte die Medikation zu verbessern. Das ist aufwendig, lohnt sich allerdings. Bitte nicht selbstständig die Medikation ändern. Das ist gefährlich.

Resümee: Wenn ihr Euch über etwas bei Andern ärgert, ändert Euch! Schaut, was zu tun ist, habt Mut zur Veränderung, gebt die Hoffnung nicht auf und resigniert nicht. Das macht krank. Den Andern ändern könnt ihr nicht. Autogenes Training, Kreatives Arbeiten und Yoga helfen dabei, alles aus einer anderen Perspektive anzuschauen und in eine hoffnungsvolle und positivere Zukunft zu gehen. Die Werkzeuge müsst ihr individuell finden.

Ich wünsche Euch viel Glück, Kraft und Erfolg. Ihr werdet sehen. Es funktioniert.

Liebe Grüße und bleibt gesund

Heinz

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