#1

Dorothe

Oldenburg, Deutschland

schwerer Schlaganfall vom Hirnstamm

kann mir irgend jemand weiterhelfen.

Da ich immmer noch im Ausland bin, ( keine deutsche Sprache ) heißt die Diagnose bei meinem Mann, 

schwerer Schlaganfall vom Hirnstamm .

Es wurde eine Not-OP durchgeführt, man hat die hintere Schädeldecke geöffnet, damit der Druck vom Kleinhirn entweichen kann, anschließend künstliches Koma.

Der Schlaganfall fand an der Arteria basilaris statt.

Wer kann mir im deutschen erzählen, was das genau bedeutet

 

 

#2

Franky

Hechingen, Deutschland

Hallo Dorothe

versuche die Deutsche Botschaft zu erreichen oder ADAC falls ihr dort Mitglied seid

#3

jup11

Quarnbek, Deutschland

Hallo Dörte,

der Hirnstamm ist ein wichtiger Teil vom Gehirn. Er bildet die Schnittstelle zwischen dem übrigen Gehirn und dem Rückenmark. Aus dem Körper aufsteigende und in den Körper absteigende Informationen leitet er überkreuz weiter, daher ist die rechte Gehirnhälfte für die linke Körperhälfte zuständig und umgekehrt. Der Hirnstamm ist für die essenziellen Lebensfunktionen zuständig wie die Steuerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Atmung. Zudem ist er für wichtige Reflexe wie den Lidschluss-, Schluck- und Husten-Reflex verantwortlich. Auch der Schlaf und die verschiedenen Schlaf- und Traumphasen werden hier kontrolliert.

Die Arteria basilaris ist eine der Schlagadern, die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgt, diese ist bei deinen Mann durch ein Gerinnsel blockiert worden.

Das entfernen der Schädeldecke (Hemikraniektomie) ist erforderlich, weil das Gehirn durch den Schlaganfall anschwillt und stark auf den Hirnstamm drücken würde, was denn zum Tod führen kann. Meist wird die entnommene Schädeldecke eingefroren und später, wenn das Gehirn abgeschwollen ist, wieder eingesetzt-

Oft wird die Langzeitnarkose (künstliches Koma) heutzutage bei schweren Hirnverletzungen eingesetzt, das hilft dem Gehirn sich besser zu regenerieren.

Hast du mal Kontakt mit der Krankenkasse aufgenommen?

Wie es mit deinen Mann weiter geht und wie gut er sich erholt, kann dir keiner sagen, die Ärzte sind meist pessimistisch. 

http://www.unserebroschuere.de/Kompetenznetz_Schlaganfall.pdf

http://www.a-zieger.de/Dateien/Wachkoma/Zieger-Broschuere-10-Aufl-2006.pdf

Jürgen

#4

Dorothe

Oldenburg, Deutschland

Hallo Jürgen,

danke für deine Antwort.

die Verständigung hier ist sehr, sehr schwer, deshalb habe ich mich auch diesem Forum angeschlossen.

Mein Mann hat nun eine Lungenentzündung, diese sollte heute besser sein, er war die letzten Tage sehr schwach, hat sehr viel geschlafen und wenn er wach war hat er so geweint.

Ich muss Abstand zu im halten, keine Berührung, ständig muss ich das Zimmer verlassen, Sekret wird abgesaugt oder die machen Gymnastik.

Die Tage soll er im Rollstuhl, aber er is noch nicht so weit.

Ständig will er mir etwas sagen aber er trägt noch  eine Maske verstehe ich ihn nicht.

Ich vermute er will dass ich ihn sterben lassen soll.

Mit der Versicherung telefoniere ich fast täglich, im ADAC sind wir nicht und die Botschaft, es gibt keine auf Madeira nur in Lissabon

Heute ist der 20. Tag 

Der Neurologische Befund ist gut, er kann seine Beine und den linken Arm bewegen, den rechten Arm eingeschränkt so die Aussage des Arztes 

 

 

#5

Etcetera

Basel, Schweiz

Guten Tag Dorothe

Zuerst wünsche ich Dir viel Kraft und Zuversicht für die Bewältigung der schlimmen Situation. Was eine Rückführung betrifft, kann ich nicht weiter helfen. In Funchal gibt es ein Konsulat, wo vielleicht jemand Deutsch spricht:
https://www.botschaft-konsulat.com/Konsulate/1243/Deutschland-in-Funchal
Wenn Du in einem Hotel wohnst, findest Du vielleicht deutschsprachige Angestellte oder Feriengäste die so lieb sind und zum Dolmetschen mit ins Krankenhaus kommen?

Zwanzig Tage nach dem Schlaganfall ist es noch gut möglich, dass Dein Mann noch nicht verstanden hat, was ihm passierte und vielleicht weiss er auch nicht, wo er ist. Der gute neurologische Befund scheint mir aber positiv bemerkenswert, da die Ärzte mit solchen Aussagen üblicherweise sehr zurückhaltend sind.

Dass man nach einem Schlaganfall schwach ist, viel schläft und oft weint ist nicht ungewöhnlich, für Angehörige ist das alles natürlich sehr bedrückend.

So lange Du seine Worte nicht verstehst, solltest Du nicht allzu viel in seine Äusserungsversuche interpretieren. Zudem: Viele SA-Patienten sind anfänglich sehr verwirrt, das ist nicht ungewöhnlich. Selbst wenn er wieder sprechen kann ist es möglich, dass sich Dir der Sinn seiner Worte anfänglich nicht erschliesst.

Auch wenn Du ihn nicht berühren darfst ist es jetzt sehr, sehr wichtig, dass er weiss, dass Du bei ihm bist (und für Dich wohl ebenso). Vielleicht darfst Du mit Atemschutz und sterilen Handschuhen ihm wenigstens mal die Hand halten.

Dein Mann braucht nun extrem viel Ruhe und Schlaf für die Gesundung seines Hirns. Spreche nicht zu viel mit ihm und konfrontiere ihn nicht mit Problemen (ich weiss, dass das sehr schwer sein kann). Erwarte von ihm möglichst keine Entscheidungen. So verschonst Du ihn vor schädlichem Stress und Druck. Wenn Du weg gehst, sage ihm immer, wann Du zurück kommst, das gibt ihm Sicherheit.

Folgendes klingt wohl etwas unbedarft, meine ich aber so: Gönne Dir wenn immer möglich etwas Ruhe, damit Du Dich nicht zu sehr übernimmst.

Alles Gute, Deinem Mann und Dir
Christoph

#6

jup11

Quarnbek, Deutschland

Hallo Dörte,

das hört sich ja gar nicht so schlecht an.

Das mit der Lungenentzündung tritt häufig auf, das hat man aber durch die Gabe von Antibiotika ganz gut im Griff. Nach so einem Schlaganfall ist das häufige Weinen auch normal, es ist sehr schwer mit der jetzigen Situation klar zu kommen, besonders im Ausland mit den Verständigungsschwierigkeiten. 

Du kannst froh sein, dass sie versuchen deinen Mann zu mobilisieren, damit er transportfähig wird. 

Jürgen

#7

Manuelchen

Frankenthal, Deutschland

Hallo Dorothe,

ich kann Dir vermutlich keine wirklichen Tips geben, aber Deine Geschichte hat mich sehr erschüttert. Bei meiner Mutter trat der Schlaganfall vor einem Jahr auch im Urlaub / Ausland auf und ich kann gut nachvollziehen, wie man sich fühlt, in fremder Umgebung, mit Krankenhausaufenthalten, wo man sich in der Umgebung schon nicht auskennt, das Gefühl absoluter Fremde. Dann noch sprachliche Barrieren. Wir hatten "damals" das Glück, dass es dort wo wir waren, noch ein paar deutschsprache Ärzte gab und dass es "nur" ein schwacher Schlaganfall war. Trotzdem war es sehr sehr schlimm. Allerdings muss ich positiv hervor heben, dass uns damals der ADAC sehr geholfen hat. Ich kann Dir nur den Rat geben, auch als nicht-Mitglied Dich an die zu wenden. Die haben überall Leute vor Ort und sind sehr kompetent und hilfsbereit. Innerhalb von 12h haben die bei uns den Rücktransport organisiert, weil sich meine Mama nicht stark genug für die sitzende Rückfahrt fühlte.

Ansonsten wünsche ich Dir alles nur erdenklich Gute, sei stark, halte durch und pass auch gut auf Dich auf. Das muss man als Angehöriger erst lernen, vorallem, dass man sich manchmal eine Auszeit nehmen muss, egal was andere z.B. andere Angehörige sagen.

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