#1

Nicole

Dortmund, Deutschland

Hallo,

mein Lebensgefährte hatte am 19.10.2018 einen schweren, linksseitigen Schlaganfall. Ich habe es sofort bemerkt und einen Krankenwagen gerufen. Danach versuchten die Ärzte acht Stunden lang die Arterie frei zu kriegen. Sie sagten mir, dass die gesamte linke Gehirnhälfte betroffen wäre und er wahrscheinlich bettlägerig sein würde und nie wieder sprechen könnte. Am nächsten Morgen schwoll das Gehirn an. Sie entnahmen ihm die Schädelplatte. Jetzt ist er seit drei Monaten in der Frühreha. Er ist rechtsseitig gelähmt und hat eine globale Aphasie. Er wiederholt immer die selben Wörter, aber zwischendurch kommen auch richtige Wörter. Er versteht zu 80 %, was man ihm sagt. Er kann mittlerweile von allein aus dem Bett in den Rollstuhl, Toilettengang, duschen etc.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie es mir geht.

Habt ihr Erfahrungen? Könnt ihr mir Mut machen?

Viele Grüße

Nicole

#2

Angie

Untermettingen, Deutschland

Hallo,

Ich wünsche euch beiden das es vorwärts geht. Das er schon einige Wörter sagen kann ist ein gutes Zeichen!

Ich drücke ihm die Daumen und wünsche dir viel Durchhaltevermögen!

 

#3

Nicole

Dortmund, Deutschland

Hallo,

Ich wünsche euch beiden das es vorwärts geht. Das er schon einige Wörter sagen kann ist ein gutes Zeichen!

Ich drücke ihm die Daumen und wünsche dir viel Durchhaltevermögen!

 

 

Wirklich? Der Schlaganfall ist vier Monate her. Ich habe nicht so die Erfahrung nach welcher Zeit er schon besser sprechen müßte. Die Ärzte sagen, dass er nie mehr als jetzt sprechen wird.

#4

Angie

Untermettingen, Deutschland

Und? Es gibt jetzt so viele Möglichkeiten was die Reha betrifft. Und was viel wichtiger ist, hast du auch schon aufgegeben?

Bei mir hat es ca. ein halbes Jahr gedauert bis ich zusammenhängende Wörter sprechen konnte und auch heute nach über 8 Jahren mache ich Fehler. Und brauche lange für ganze Sätze.

#5

Nicole

Dortmund, Deutschland

Und? Es gibt jetzt so viele Möglichkeiten was die Reha betrifft. Und was viel wichtiger ist, hast du auch schon aufgegeben?

Bei mir hat es ca. ein halbes Jahr gedauert bis ich zusammenhängende Wörter sprechen konnte und auch heute nach über 8 Jahren mache ich Fehler. Und brauche lange für ganze Sätze.

 Hallo Angie,

nein, ich habe nicht aufgegeben. Ich glaube an ihn. Aber leider kann ich nichts entscheiden oder wirklich unternehmen, da wir nicht verheiratet sind. Ich kann nur hilflos zuschauen, was sie jetzt mit ihm machen.

 

Nicole

#6

Angie

Untermettingen, Deutschland

Owei, das muss hart für dich sein! Entscheidet denn die Familie was mit ihm gemacht wird?

 

Wir haben zum Glück knapp 2 Jahre vorher geheiratet, sonst wäre wohl meine Mutter für mich zuständig gewesen und dann wäre ich heute nicht so weit......

#7

Nicole

Dortmund, Deutschland

Owei, das muss hart für dich sein! Entscheidet denn die Familie was mit ihm gemacht wird?

 

Wir haben zum Glück knapp 2 Jahre vorher geheiratet, sonst wäre wohl meine Mutter für mich zuständig gewesen und dann wäre ich heute nicht so weit......

 Er hat einen externen Betreuer. Aber "Familie geht vor". Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich bin glaube ich die Einzige, die sieht, dass er alles versteht. Klar, wenn er den Mund aufmacht, kommt nur Wortsalat raus. Aber ich sehe an seiner Mimik, Reaktionen etc., dass er alles versteht. Ich kann einfach nur hilflos zuschauen und hinfahren und für ihn da sein. Ansonsten bin ich machtlos.

#8

tron33

Berlin, Deutschland

 Er hat einen externen Betreuer. Aber "Familie geht vor". Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich bin glaube ich die Einzige, die sieht, dass er alles versteht. Klar, wenn er den Mund aufmacht, kommt nur Wortsalat raus. Aber ich sehe an seiner Mimik, Reaktionen etc., dass er alles versteht. Ich kann einfach nur hilflos zuschauen und hinfahren und für ihn da sein. Ansonsten bin ich machtlos.

 
Hmm, ich kann mir vorstellen, dass das nicht leicht ist.
Aus meiner Sicht als Betreuender kann ich dir aber sagen: Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt für dich/euch, wenn du die "Last" der Entscheidungen nicht auch noch zu tragen hast. Du kannst dich voll auf ihn, auf eure Beziehung, auf die Verständigung konzentrieren. Alles andere sind jetzt nicht deine Aufgaben. Das macht bei aller Sorge auch ein wenig freier.

"Für ihn da sein" ist aus deiner Sicht vielleicht nicht genug, aus seiner Sicht ist das möglicherweise mehr, als jeder andere Mensch für ihn tut. Du kannst frisch und munter zu ihm hin fahren und hast deine ganze Zeit für ihn - die ganze! Nicht noch Arzttermin X und Y, irgendwelche Anträge auszufüllen und musst dich nicht mit dem ganzen Verwaltungskram beschäftigen. Das kannst du alles an den Betreuer weiter geben.

Zuviele "Entscheidungen" hat man als Betreuer ja nicht wirklich. Zumindest nicht, was das gesundheitliche betriftt. Da hat man hauptsächlich Papierkram und muss bei schwierigen Dingen sein Einverständnis erklären, sich also ausgiebig damit beschäftigen und sich selbtst klar werden darüber, ob man das so vertreten kann, obwohl die eigentiche Antwort ja von Anfang an "ja" heisst. Jedenfalls kann ich mir kaum vorstellen, dass man eine wichtige Operation ablehnt oder ähnliches. In fast allen anderen Dingen, die einem angetragen werden, ist es ähnlich. Die Zustimmung ("Entscheidung") ist schon vorausgesetzt.

Bei euren finanziellen Dingen hoffe ich für dich, dass alles getrennt lief und jeder sein eigenes Konto hat oder ihr ein gemeinsames mit gemeinsamer Verfügung habt. In letzterem Fall würde ich mir ganz schnell ein eigenes Konto besorgen, damit man die Finanzen nicht mit über einen Betreuer regeln musst ...

Warum konntest du nicht die Betreuung übernehmen? War jemand aus der Familie dagegen oder war dies seitens des Amtsgerichtes nicht möglich?

LG

 

 


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »tron33« (20.02.2019, 11:06)
#9

Nicole

Dortmund, Deutschland

 Er hat einen externen Betreuer. Aber "Familie geht vor". Ich fühle mich so ohnmächtig. Ich bin glaube ich die Einzige, die sieht, dass er alles versteht. Klar, wenn er den Mund aufmacht, kommt nur Wortsalat raus. Aber ich sehe an seiner Mimik, Reaktionen etc., dass er alles versteht. Ich kann einfach nur hilflos zuschauen und hinfahren und für ihn da sein. Ansonsten bin ich machtlos.

 
Hmm, ich kann mir vorstellen, dass das nicht leicht ist.
Aus meiner Sicht als Betreuender kann ich dir aber sagen: Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt für dich/euch, wenn du die "Last" der Entscheidungen nicht auch noch zu tragen hast. Du kannst dich voll auf ihn, auf eure Beziehung, auf die Verständigung konzentrieren. Alles andere sind jetzt nicht deine Aufgaben. Das macht bei aller Sorge auch ein wenig freier.

"Für ihn da sein" ist aus deiner Sicht vielleicht nicht genug, aus seiner Sicht ist das möglicherweise mehr, als jeder andere Mensch für ihn tut. Du kannst frisch und munter zu ihm hin fahren und hast deine ganze Zeit für ihn - die ganze! Nicht noch Arzttermin X und Y, irgendwelche Anträge auszufüllen und musst dich nicht mit dem ganzen Verwaltungskram beschäftigen. Das kannst du alles an den Betreuer weiter geben.

Zuviele "Entscheidungen" hat man als Betreuer ja nicht wirklich. Zumindest nicht, was das gesundheitliche betriftt. Da hat man hauptsächlich Papierkram und muss bei schwierigen Dingen sein Einverständnis erklären, sich also ausgiebig damit beschäftigen und sich selbtst klar werden darüber, ob man das so vertreten kann, obwohl die eigentiche Antwort ja von Anfang an "ja" heisst. Jedenfalls kann ich mir kaum vorstellen, dass man eine wichtige Operation ablehnt oder ähnliches. In fast allen anderen Dingen, die einem angetragen werden, ist es ähnlich. Die Zustimmung ("Entscheidung") ist schon vorausgesetzt.

Bei euren finanziellen Dingen hoffe ich für dich, dass alles getrennt lief und jeder sein eigenes Konto hat oder ihr ein gemeinsames mit gemeinsamer Verfügung habt. In letzterem Fall würde ich mir ganz schnell ein eigenes Konto besorgen, damit man die Finanzen nicht mit über einen Betreuer regeln musst ...

Warum konntest du nicht die Betreuung übernehmen? War jemand aus der Familie dagegen oder war dies seitens des Amtsgerichtes nicht möglich?

LG

 

 

 Die Familie wollte einen externen Betreuer. Ich hätte mir die Betreuung auch nicht zugetraut. Allerdings weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Ich fahre jedes Wochenende von Norddeutschland nach Süddeutschland, nur um ihn zu sehen. Die Familie will ihn dort unten behalten. Und ich kann nichts tun.

#10

tron33

Berlin, Deutschland

 Die Familie wollte einen externen Betreuer. Ich hätte mir die Betreuung auch nicht zugetraut. Allerdings weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Ich fahre jedes Wochenende von Norddeutschland nach Süddeutschland, nur um ihn zu sehen. Die Familie will ihn dort unten behalten. Und ich kann nichts tun.

 
Hmm, dann bist du wirklich relativ macht- und hilflos.
Die Frage, wie es weitergehen soll, stellt sich ja gerade für Beziehungen nach jedem Schlaganfall irgendwie - nur so krass, wie bei dir, das ist schon eine große Ausnahme.

Was sind deine Gedanken, wenn du über die Zukunft nachdenkst?
Denkst du dabei auch an dich? Das darfst du!

LG


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »tron33« (Gestern, 10:54)
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