#1

kordi83

Berlin,Deutschland

Hallo, mein Bruder (49) hatte Mitte Januar einen schweren Schlaganfall der linken Gehirnhälfte und musste zweimal operiert werden und die Schädeldecke wurde auch teilweise entfernt. Im Februar ist er dann in eine Klinik zur Phase B gekommen und nachdem alles soweit in Ordnung war, hat er Ende April die Schädeldecke wieder eingesetzt bekommen. Er konnte zuletzt das gelähmte rechte Bein das erste Mal wieder etwas bewegen und auch die Sprache wird besser, aber alles noch auf niedrigem Niveau. Es gibt also Fortschritte, aber eben alles noch nicht so, dass er damit zufirden ist. Jetzt teilte uns die Klinik mit, dass die Phase B beendet wird, da der Krankenhausaufenthalt mit dem Einsetzen der Schädeldecke beendet sei. Für eine klassische Reha (Phase C) sei mein Bruder aber noch nicht weit genug und daher soll er jetzt in eine Einrichtung für die Phase F kommen. 

Für uns klingt die Phase F wie das Ende und das Pflegeheim sieht auf den Bilder auch nicht so toll aus, dass danach nichts mehr kommt, aber da es zuletzt Fortschirtte gab, möchte wir natürlich, dass er weiter üben kann und er benötigt dies für seine Psyche auch. Sogar die Klinik meinte, dass die Übungen nirgends so gut seien wie bei Ihnen und da wirkt die Phase F halt eher die Zutsand erhalten anstelle zu verbessern. 

Habt ihr Erfahungen in diesem Bereich? Also ist es normal, so schnell in die Phase F zu kommen und besteht die Chance, diese wieder verlassen zu können? Und gibt es eine Chance, dagegen vorzugehen oder sich selber ein Pflegeheim auszusuchen, da das jetzige über 70KM entfernt ist. 

#2

Annin

Bayern,Deutschland

Hallo,

 

habe ich das richtig verstanden, dass dein Bruder sich über seinen Zustand austauschen kann und seine Unzufriedenheit mitteilen kann?

Ich kenne mich nicht direkt mit der Situation B-F aus, aber weiß, dass man sich alles erkämpfen muss und man schnell abgeschoben werden kann.

Zu Hause könnte der Bruder auf keinen Fall versorgt werden? Kann er Rollstuhl fahren? Sind die Arme beweglich? Macht ihr Angehörige auch Übungen mit ihm in der Klinik?

Nur damit man sich mehr zur Gesamtsituation vorstellen kann und dann etwas einordnen kann.

Viele Grüße

A.

 

#3

kordi83

Berlin,Deutschland

Bei der Sprache ist es so, dass er sehr gut nachsprechen kann, wenn der Logopäde mit ihm übt und im normalen Gespräch kann er immer ja und nein sagen und andere Wörter kommen mal besser und mal weniger raus. Und wenn es dann nicht klappt mit der Sprache, dann ist er frustriert und will es nicht weiter probieren. 

Der recht Arm ist noch ganz gelähmt und im Rollstuhl bewegt er sich dann meistens mit dem linken Bein und zieht sich damit nach vorne. 

Und man merkt an seiner Art, das er unzufrieden ist und das Essen lässt er auch immer mal zurückgehen und auch die Ärzte meinen, er ist in einer depressiven Phase. Sagen tut er das nicht direkt. Mein Bruder hat sein ganzes Leben alleine gelebt und möchte an sich keine Hilfe von anderen haben und wenn ich ehrlich bin, kann ich das voll nachvollziehen das es ihm so geht, da er komplett aus dem Leben gerissen wurde und derzeit wenig alleine machen kann, da würde es mir wohl auch so gehen. Dann sieht er im Krankenhaus halt auch wie seine Bettnachbarn größere Fortschritte machen, was ihn dann frustriert, dabei haben die vielleicht keine so starke Erkrankung gehabt. 

Meine Mama ist schon Rentnerin und könnte ihn nicht zu Hause pflegen, da er über 1,90 m groß ist und über 90kg wiegt und ich lebe über 400km entfernt. Und Übungen machen wir mit ihm keine. Wir haben das schon öfters mal angesprochen und da hieß es von der Klinik dann, das brauchen wir nicht machen, das machen die und wir sollen ihm was schönes erzählen. Sprachübungen haben wir aber dann doch ab und zu Mal probiert und das will er mit uns nicht machen, mit dem Logopäden aber schon. Ich vermute, dass ihm das unangenehm ist, dass er jetzt so Hilfe braucht und gegenüber seiner Famillie ist ihm das vielleicht zu unangenehm. 

 

#4

Amsel

Bad Mergentheim,Deutschland

Für eine klassische Reha (Phase C) sei mein Bruder aber noch nicht weit genug und daher soll er jetzt in eine Einrichtung für die Phase F kommen. 

Für uns klingt die Phase F wie das Ende und das Pflegeheim sieht auf den Bilder auch nicht so toll aus, dass danach nichts mehr kommt, aber da es zuletzt Fortschirtte gab, möchte wir natürlich, dass er weiter üben kann und er benötigt dies für seine Psyche auch. Sogar die Klinik meinte, dass die Übungen nirgends so gut seien wie bei Ihnen und da wirkt die Phase F halt eher die Zutsand erhalten anstelle zu verbessern. 

Habt ihr Erfahungen in diesem Bereich? Also ist es normal, so schnell in die Phase F zu kommen und besteht die Chance, diese wieder verlassen zu können? Und gibt es eine Chance, dagegen vorzugehen oder sich selber ein Pflegeheim auszusuchen, da das jetzige über 70KM entfernt ist. 

 Phase F ist genau das was Du da heraus liest.

Zitat: In der Phase F, geht es um unterstützende, betreuende und/oder zustandserhaltende Maßnahmen. Dabei beziehen sich die Empfehlungen auf erwachsene Patienten. Für Kinder und Jugendliche sind die Empfehlungen nicht übertragbar, da die Versorgung in vielen Bereichen anders verläuft. Wir müssen wissen, dass die Phase F ausdrücklich hervorhebt, dass die Phase F von zusätzlichen langfristigen medizinischen-therapeutischen Leistungen geprägt ist. Es wird auch beschrieben, das eine Verbesserung des Zustandes die Schädelhirnverletzten auch noch nach längeren Zeiträumen eintreten kann. Als Ziel für alle Phase F – Patienten ist die Verbesserung der Teilhabe am sozialen Leben durch die Verminderung der Beeinträchtigungen zu erreichen. Hierzu zählt auch, Pflegebedürftigkeit zu vermindern oder eine Verschlimmerung zu verhüten, ggf. die Pflegebedürftigkeit zu beseitigen.

Auch wenn weiterhin therapiert werden soll, verstehe ich nicht ganz, warum Dein Bruder aus einem Krankenhaus (ich habe das doch richtig verstanden, dass er noch in keiner Reha-Klinik ist, oder?) direkt ins Pflegeheim soll. 

Womit wird das seitens des KH begründet? 

Eine klassische Reha kann durchaus bei Phase B beginnen. Das war bei meinem Mann so. Allerdings ist er dort bereits ca. 1 Woche nach seiner OP dort gelandet. Er blieb dort fast 3 Monate und wäre vermutlich auch noch etwas länger dort geblieben wenn die Klinik nicht die Betten in Phase B benötigt hätten. 

Schau mal da rein Verweildauerentwicklung in der neurologischen Frührehabilitation (aerzteblatt.de) - falls die Klinik damit argumentieren sollte, dass seine Verweildauer in Phase B zu lange sei.

Zitat: Das BAR-Phasenmodell sowie die 1995 formulierten „Empfehlungen zur neurologischen Rehabilitation von Patienten mit schweren und schwersten Hirnschädigungen in den Phasen B und C“ (1) stellen eine auch durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) konsentierte Basis zur Betrachtung von Verweildauern dar. In der Phase B wurde von der BAR ein Mindestbehandlungsintervall von acht Wochen zur Beurteilung des Rehabilitationspotenzials zugrunde gelegt (1).

Es gibt kaum aktuelle Daten über Verweildauern in der Phase B. In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 1999 wird eine inhomogene Verteilung der Behandlungsdauern beschrieben, mit einerseits einigen raschen Besserungen und andererseits sehr langen Verläufen mit einer Dauer von bis zu zwölf Monaten (4). Detaillierte Aussagen zur Behandlungsdauer finden sich in einer früheren Publikation aus dem Jahr 1996 (5): 34 Prozent der Patienten hatten eine Verweildauer von bis zu 3 Monaten, 16 Prozent von 3 bis 5 Monaten, 31 Prozent von 5 bis 12 Monaten und 19 Prozent von mehr als einem Jahr.

Wäre ich an eurer Stelle, ich würde darauf drängen, dass er in eine Reha-Klinik verlegt wird. Ob das die KK genehmigt ist von der Beurteilung der Klinikärzte abhängig.

Und diesen Link möchte ich Dir auch noch ans Herz legen. Schlaganfall-Kurs für pflegende Angehörige - Schlaganfallbegleitung

Über diese Seite findest Du auch Reha-Kliniken in eurer Nähe. 

 

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann möchte man Deinen Bruder in ein Pflegeheim verlegen. Dazu nur soviel.. selbstverständlich könnt ihr Einfluss drauf nehmen in welches Pflegeheim Dein Bruder kommt. Und ja, selbstverständlich sollte das so nah wie möglich bei euch sein. Mach' Dich aber darauf gefasst, dass die Pflegeheime voll sind, Wartelisten haben oder gar nicht mehr aufnehmen. Du wirst einen langen Atem brauchen. Zumindest war das bei mir der Fall als ich vor 2 Jahren urplötzlich zeitnah einen Pflegeplatz für meine Mutter benötigt habe. Ich habe im Umkreis von 50 km alles abgeklappert und nur mit viel Glück kurz vor knapp einen ordentlichen Platz bekommen (nicht jedes Pflegeheim wirst Du wollen. Es gibt auch heutzutage noch genügend Heime in die Du allenfalls Deinen ärgsten Feind schicken würdest). D.h. unabhängig davon, ob Dein Bruder die Reha bekommt oder nicht solltet ihr, sofern die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass er pflegebedürftig bleiben wird, Deinen Bruder auf Wartelisten in den Pflegeheimen setzen lassen. Absagen kann man immer noch - das nimmt keines der Heime übel da die Listen in der Regel lang sind. 

 

#5

kordi83

Berlin,Deutschland

Für eine klassische Reha (Phase C) sei mein Bruder aber noch nicht weit genug und daher soll er jetzt in eine Einrichtung für die Phase F kommen. 

Für uns klingt die Phase F wie das Ende und das Pflegeheim sieht auf den Bilder auch nicht so toll aus, dass danach nichts mehr kommt, aber da es zuletzt Fortschirtte gab, möchte wir natürlich, dass er weiter üben kann und er benötigt dies für seine Psyche auch. Sogar die Klinik meinte, dass die Übungen nirgends so gut seien wie bei Ihnen und da wirkt die Phase F halt eher die Zutsand erhalten anstelle zu verbessern. 

Habt ihr Erfahungen in diesem Bereich? Also ist es normal, so schnell in die Phase F zu kommen und besteht die Chance, diese wieder verlassen zu können? Und gibt es eine Chance, dagegen vorzugehen oder sich selber ein Pflegeheim auszusuchen, da das jetzige über 70KM entfernt ist. 

 Phase F ist genau das was Du da heraus liest.

Zitat: In der Phase F, geht es um unterstützende, betreuende und/oder zustandserhaltende Maßnahmen. Dabei beziehen sich die Empfehlungen auf erwachsene Patienten. Für Kinder und Jugendliche sind die Empfehlungen nicht übertragbar, da die Versorgung in vielen Bereichen anders verläuft. Wir müssen wissen, dass die Phase F ausdrücklich hervorhebt, dass die Phase F von zusätzlichen langfristigen medizinischen-therapeutischen Leistungen geprägt ist. Es wird auch beschrieben, das eine Verbesserung des Zustandes die Schädelhirnverletzten auch noch nach längeren Zeiträumen eintreten kann. Als Ziel für alle Phase F – Patienten ist die Verbesserung der Teilhabe am sozialen Leben durch die Verminderung der Beeinträchtigungen zu erreichen. Hierzu zählt auch, Pflegebedürftigkeit zu vermindern oder eine Verschlimmerung zu verhüten, ggf. die Pflegebedürftigkeit zu beseitigen.

Auch wenn weiterhin therapiert werden soll, verstehe ich nicht ganz, warum Dein Bruder aus einem Krankenhaus (ich habe das doch richtig verstanden, dass er noch in keiner Reha-Klinik ist, oder?) direkt ins Pflegeheim soll. 

Womit wird das seitens des KH begründet? 

Eine klassische Reha kann durchaus bei Phase B beginnen. Das war bei meinem Mann so. Allerdings ist er dort bereits ca. 1 Woche nach seiner OP dort gelandet. Er blieb dort fast 3 Monate und wäre vermutlich auch noch etwas länger dort geblieben wenn die Klinik nicht die Betten in Phase B benötigt hätten. 

Schau mal da rein Verweildauerentwicklung in der neurologischen Frührehabilitation (aerzteblatt.de) - falls die Klinik damit argumentieren sollte, dass seine Verweildauer in Phase B zu lange sei.

Zitat: Das BAR-Phasenmodell sowie die 1995 formulierten „Empfehlungen zur neurologischen Rehabilitation von Patienten mit schweren und schwersten Hirnschädigungen in den Phasen B und C“ (1) stellen eine auch durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) konsentierte Basis zur Betrachtung von Verweildauern dar. In der Phase B wurde von der BAR ein Mindestbehandlungsintervall von acht Wochen zur Beurteilung des Rehabilitationspotenzials zugrunde gelegt (1).

Es gibt kaum aktuelle Daten über Verweildauern in der Phase B. In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 1999 wird eine inhomogene Verteilung der Behandlungsdauern beschrieben, mit einerseits einigen raschen Besserungen und andererseits sehr langen Verläufen mit einer Dauer von bis zu zwölf Monaten (4). Detaillierte Aussagen zur Behandlungsdauer finden sich in einer früheren Publikation aus dem Jahr 1996 (5): 34 Prozent der Patienten hatten eine Verweildauer von bis zu 3 Monaten, 16 Prozent von 3 bis 5 Monaten, 31 Prozent von 5 bis 12 Monaten und 19 Prozent von mehr als einem Jahr.

Wäre ich an eurer Stelle, ich würde darauf drängen, dass er in eine Reha-Klinik verlegt wird. Ob das die KK genehmigt ist von der Beurteilung der Klinikärzte abhängig.

Und diesen Link möchte ich Dir auch noch ans Herz legen. Schlaganfall-Kurs für pflegende Angehörige - Schlaganfallbegleitung

Über diese Seite findest Du auch Reha-Kliniken in eurer Nähe. 

 

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann möchte man Deinen Bruder in ein Pflegeheim verlegen. Dazu nur soviel.. selbstverständlich könnt ihr Einfluss drauf nehmen in welches Pflegeheim Dein Bruder kommt. Und ja, selbstverständlich sollte das so nah wie möglich bei euch sein. Mach' Dich aber darauf gefasst, dass die Pflegeheime voll sind, Wartelisten haben oder gar nicht mehr aufnehmen. Du wirst einen langen Atem brauchen. Zumindest war das bei mir der Fall als ich vor 2 Jahren urplötzlich zeitnah einen Pflegeplatz für meine Mutter benötigt habe. Ich habe im Umkreis von 50 km alles abgeklappert und nur mit viel Glück kurz vor knapp einen ordentlichen Platz bekommen (nicht jedes Pflegeheim wirst Du wollen. Es gibt auch heutzutage noch genügend Heime in die Du allenfalls Deinen ärgsten Feind schicken würdest). D.h. unabhängig davon, ob Dein Bruder die Reha bekommt oder nicht solltet ihr, sofern die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass er pflegebedürftig bleiben wird, Deinen Bruder auf Wartelisten in den Pflegeheimen setzen lassen. Absagen kann man immer noch - das nimmt keines der Heime übel da die Listen in der Regel lang sind. 

 

 Danke für deine Ausführungen, besonders das mit der Verweildauer bei Phase B ist sehr interessant. Mein Bruder hatte Mitte Januar den Schlaganfall und war dann in einem normalen Krankenhaus. Nach einem Monat, wegen Corona Isolation hat es so lange gedauert, ist er zur Frühreha (Phase 😎 in eine Reha Klinik gekommen und hier ist er bis jetzt, also knapp vier Monate mit dem Ausnahme des Aufenthalts zur Wiedereinsetzung der Schädeldecke und da er dann im Krankenhaus Corona bekommen hat, hat das noch einmal zwei Wochen länger als gedacht gedauert. 

Die Klinik teilte uns Ende Mai mit, das man jetzt nach einer Phase F Einrichtung sucht da der Aufenthalt in einer Klinik aus akuten gesundheitlichen Gründen nicht mehr notwendig sei und für eine klassische Reha nach Phase C sei er noch nicht fit genug. Es hieß dann, das wird dauern bis er verlegt wird, da es so wenige Plätze gibt. Letzten Donnerstag kam dann die Mitteilung, das er am 14. Juni in eine Phase F Einrichtung kommt und zwar in Bad Wildungen. Das ist so knapp über 70km von seiner Heimat entfernt. Das ging jetzt alles so schnell, das wir kaum reagieren konnten und wir konnten uns die Einrichtung auch nicht vorher angucken. Habt ihr vielleicht einen Tipp, was man machen kann, wenn er woanders hin soll und ob er in eine andere Phase B Klinik wieder gehen könnte?

#6

Annin

Bayern,Deutschland

Wenn er noch nicht fit genug ist für die Phase C, soll er das dann in Phase F werden? 

Die Reha Klinik muss ja Bericht erstatten, was dein Bruder dort gelernt hat und was die nächsten Ziele sind. Was wird dort formuliert? Da würde ich nochmal nachhaken. Ob er dann wieder in Phase B kommen kann, sollte man euch eigentlich aus Klinik-Seite erklären.

Ich kann mir vorstellen, dass in der Phase F noch weniger geübt und trainiert wird und empfehle, selbst etwas mit ihm zu üben. Ich verstehe auch nicht, warum man dir rät, nicht mit ihm zu „arbeiten/üben“.

Dass er überhaupt nur widerwillig mitmacht, kann man deinen Erzählungen nach aber gut nachempfinden. Mach ihm vielleicht deutlich, dass er über seinen Schatten springen und sich anstrengen muss und ihr ihn gerne dabei begleitet. Oft ist es ja auch so, dass die fleißigen Mitmacher auch anders behandelt werden. Will er nochmal nach Hause? Kommuniziert er dazu etwas?

Es tut mir sehr leid, dass dein Bruder in dieser Situation ist und ihr Angehörigen euch so allein gelassen dabei fühlt. 

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann, ist der, Präsenz zu zeigen. Sprecht den verantwortlichen Arzt an, fragt nach Prognosen (die meist etwas schlechter ausfallen) und sprecht mit den Therapeuten, fragt, was ihr machen könnt - vor Ort und aus der Ferne. Könnt ihr zum Beispiel per Video telefonieren?

Ich finde es zum Beispiel sehr bezeichnend, dass er mit dem Rollstuhl ein bisschen Bewegung bekommt und das durchaus seine Motivation zeigt, die weiterhin unterstützt werden sollte!

 

 

#7

Amsel

Bad Mergentheim,Deutschland

noch eine Ergänzung zu dem hier:

Wir haben das schon öfters mal angesprochen und da hieß es von der Klinik dann, das brauchen wir nicht machen, das machen die und wir sollen ihm was schönes erzählen. Sprachübungen haben wir aber dann doch ab und zu Mal probiert und das will er mit uns nicht machen, mit dem Logopäden aber schon. Ich vermute, dass ihm das unangenehm ist, dass er jetzt so Hilfe braucht und gegenüber seiner Famillie ist ihm das vielleicht zu unangenehm. 

 

Ihr könnte auch üben ohne dass das wie eine Übung aussieht. Spiele z.B. 

Mensch ärgere Dich nicht

  • Memory
  • 4 gewinnt
  • Puzzles

usw. usf.

Das fördert kognitive Fähigkeiten und je besser das funktioniert, umso leichter tut er sich bei der Logo. (denn bei der muss er sich ziemlich konzentrieren)

Singen wäre hilfreich. Das wird er textsicher können (sofern er Lieder kennt) und das gibt etwas Selbstvertrauen. Wenn er gar keine Lieder kennt.. "Marmor, Stein und Eisen" wird er wohl kennen. Dann gröhlt ihr halt das. 

Singen können viele Aphasiker weil (so die These) da die gesunde Gehirnhälfte unterstützt. Mein Mann liebt das Singen und inzwischen funktionieren bei ihm auch wieder Fremdsprachen. Zumindest in den Liedern.

Was ihr als Spiel für die Logo einbinden könnt ist ein Ratespiel. Nämlich Sprichwörter vervollständigen. Ihr lasst ihn immer das letzte Wort vervollständigen. Wenn er es nicht weiss, dann gebt ihr "Anlauthilfen". 

Beispiel: Der Apfel fällt nicht weit vom (Stamm) => Stamm lasst ihr aus, das muss er vervollständigen.

Wenn er nicht auf "Stamm" kommt, dann "St" als Anlauthilfe geben. Wenn das nicht ausreicht, dann "Sta". 

Einen Versuch wäre es wert da Du schreibst, dass er mal mehr, mal weniger, auch weitere Worte findet. 

Und nicht gleich aufgeben wenn das am Anfang holpert. Bei meinem Mann (sehr schwer von der Aphasie gebeutelt) war das anfangs sehr holprig. Er wurde aber immer besser. Heute benötigt er so gut wie keine Anlauthilfen mehr und wir sind dazu übergegangen, dass er nicht nur ein Wort vervollständigt. Da muss man sich ran pirschen.

Sollte Dein Bruder gläubig sein, oder irgendwie anderweitig kirchlich orientiert, dann lohnt es auch mal das Vater unser zu bemühen. Dieses Gebet haben wir (fast) alle so in uns, dass das gut funktionieren könnte. 

Lange Rede, kurzer Sinn... selbstverständlich machen Übungen durch euch Sinn. Man muss sie ja nicht als Übungen "verkaufen".

#8

Amsel

Bad Mergentheim,Deutschland

 

Der wichtigste Tipp, den ich euch geben kann, ist der, Präsenz zu zeigen. Sprecht den verantwortlichen Arzt an, fragt nach Prognosen (die meist etwas schlechter ausfallen) und sprecht mit den Therapeuten, fragt, was ihr machen könnt - vor Ort und aus der Ferne. Könnt ihr zum Beispiel per Video telefonieren?

Ich finde es zum Beispiel sehr bezeichnend, dass er mit dem Rollstuhl ein bisschen Bewegung bekommt und das durchaus seine Motivation zeigt, die weiterhin unterstützt werden sollte!

 

 

Ich kann bezüglich der Präsenz Annin nur zustimmen. Ohne die wäre mein Mann nach 3 Tagen Reha als "Schwerstpflegefall" abgestempelt gewesen und daran hätte sich nichts mehr geändert. Und was das Abschieben aus einen KH in einen Pflegebereich angeht.. ähnliche Versuche habe ich nach dem epileptischen Anfall meines Mannes erlebt (der auch eine längere KH-Phase erforderlich machte und Rückschritte bedeutete). Hätte ich nicht Rabatz gemacht (ja, ich wurde laut - in Kombination mit Tränen - ich habe alles Register gezogen weil das bei uns auch innerhalb von 2 Tagen laufen sollte), mein Mann wäre im Pflegeheim gelandet - und das während eines Lock Downs (also ohne die Möglichkeit ihn überhaupt dort besuchen zu können).

Ehrlich gesagt fällt mir, nachdem Dein Bruder quasi heute abgeschoben werden soll, erst einmal auch nichts mehr ein. Für jede sinnvolle Aktion die das verhindert ist es zu spät. 

Was sagt der Hausarzt dazu? Habt ihr mit der Krankenkasse gesprochen? Falls es die AOK ist... ich habe im Fall meiner Mutter dort mehrfach eine gute Beratung erhalten. (was leider nicht auf jede KK zutrifft)

#9

kordi83

Berlin,Deutschland

Danke für die vielen guten Hinweise, inbesondere denen mit dem üben. 

Mein Bruder ist bei der Securvita Krankenkasse und bisher hatten wir mit denen kaum Kontakt, müssen wir dann jetzt aber machen. Und er war das letzte Mal 2019 bei seiner Hausärztin, daher ist die hier bisher auch keine große Hilfe gewesen, da es da kein besonderes Verhöltnis gibbt, da er nur wenige Male dort war. Ich finde es interessant, dass wir keinen Antrag auf die Frühreha unterzeichnet haben und auch keinen Antrag auf die Phase B, sondern dass das alles so automtaisch passiert und dann sind das alles so kurze Fristen, das man kaum reagieren kann und es gibt ja keine Bescheide, gegen die man Widerspruch einlegen kann, sonderen die sagen so ist es und man hat gefühlt keine Wahl. 

Und er macht die Übungen nicht widerwillig mit, sondern mit den Therapeuten macht er alles mit und die sehen das es auch in kleinen Schritten besser wird, aber er möchte nicht mit uns üben, da dies ihm vielleicht peinlich ist, das er als erwachsener Mann jetzt Unterstützung braucht und von Fremden kann er das eher zulassen als von seiner Familie. 

Wir telefonieren jetzt auch per Video, da wir ihm ein Tablet gegeben haben und durch die strengen Corona Regeln in der Frühreha, war es eh schwer öfters die Woche hinzukommen und wenn es auf der Station dann jemand Corona hatte, dann konnte man nur ans Fenster gehen. Und durch ein gekipptes fenster mit jemanden zu sprechen ist ein wahres fest, besonders wenn das in den Zimmern daneben auch passiert und man nichts versteht. 

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