#1

Audrey

Berlin, Deutschland

Folgen nach einem Schlaganfall

Hallo liebe Community,

meine Mama (55) hatte Ende Oktober diesen Jahres ihren ersten (und ich hoffe letzten) Schlaganfall. Für uns kam das völlig unerwartet, da meine Mama keine Vorerkrankung hatte. Entsprechend fühle ich mich – und meine Mutter sich selbst vermutlich noch mehr als ich – sehr ratlos und unerfahren. Ich habe Angst, dass ich durch meine Unerfahrenheit oder durch fehlendes Wissen falsche Entscheidungen treffe oder Handlungen tätige, die den Gesundheitszustand bzw. den Regenerationsprozess meiner Mutter verschlechtern könnten.

Aktuell hat meine Mutter Tage, an denen sie kleine Fortschritte macht und dann wiederum gibt es Tage, an denen sie Schritte zurück macht. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die Folgen eines Schlaganfalls bei jedem Betroffenen sehr unterschiedlich verlaufen und ihre Regeneration ihre Zeit benötigt. Was mir derzeit allerdings Sorgen bereitet:

Nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, schien ihre Sprache nicht betroffen zu sein. Sie schien flüssig und normal zu sprechen, hat mir lediglich mitgeteilt, dass sie das Gefühl habe manchmal einen Dreher drinnen zu haben. Gestottert hat sie dennoch so gut wie gar nicht. Von ihrem Arzt hat sie trotzdem eine Verordnung zur Sprachtherapie erhalten. Hierzu habe ich meine Mutter ermutigt, da sie anfangs nicht wollte. Nachdem sie nun ihre erste Sitzung hatte, stottert sie sehr häufig und wirkt sehr angestrengt beim Sprechen. Das Stottern selbst ist mir bereits in der Sitzung aufgefallen.. ob es bereits davor angefangen hat, kann ich nicht sagen. Tage zuvor schien allerdings alles in Ordnung. Ich kann mir nicht erklären woran es liegen könnte und nehme an, dass es vielleicht psychologisch bedingt sein könnte oder vielleicht an Nebenwirkungen von Tabletten? Sie selbst ist über die Situation auch sehr verwundert und ich merke ihr an, dass es sie belastet. Ich versuche ihr Mut zuzusprechen, bin aber selbst ratlos und frage mich: Ist das normal oder eher ungewöhnlich? Hat jemand evtl. ähnliche Erfahrung gesammelt? Können sich die Folgen eines Schlaganfalls denn verschlechtern? Oder kann das ein Hinweis auf einen erneuten Anfall sein? Ich spiele aktuell mit dem Gedanken die Termine für die Logopädie vorerst vielleicht sogar zu verschieben.

Um Rat würde ich mich sehr freuen.. und bedanke mich, dass ihr euch die Zeit zum Lesen genommen hab.

LG, Audrey

#2

Etcetera

Basel, Schweiz

Guten Abend Audrey

Die Folgen eines Schlaganfalls sind sehr schwer berechenbar, das ist einfach so. Und was da alles so abgeht ist für Angehörige wie für Betroffene oft nicht oder nur schwer einzureihen.

Die sprachbeschwerden Deiner Mutter kann viele Ursachen haben, nebst denen, die Du schon genannt hast. Was mir so spontan in den Sinn kommt, ist eine generelle Überlastung: Im Spital läuft alles in klaren Bahnen und in sicherer Umgebung, der SA noch frisch und die Umgebung ist reizarm. Der Patient(-in) ist vielleicht noch nicht in der realen Welt angekommen. Daheim dann, „in freier Wildbahn“, muss der/die Betroffene langsam seinen Alltag wieder in die Hand nehmen, das muss Hirn seine Verletzungen heilen, unzählige Sachen neu ordnen und so weiter. Das Hirn setzt dann seine eigenen Prioritäten und „vernachlässigt“ vorübergehend das Eine zu Gunsten von etwas, das wichtiger ist oder sehr viel Energie benötigt. Da wird in naher Zukunft wohl noch viel Passieren.

Ich würde an Stelle Deiner Mutter die Sache beobachten und gelegentlich mit den Therapeuten/Ärzten besprechen, um keine Unsicherheiten aufkommen zu lassen.

Liebe Grüsse

Christoph

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