#1

Katharina

Göttingen, Deutschland

Aufteilung und längerfristige Planung

Guten Abend,

ich bin mir nicht sicher, ob mein Beitrag hier wirklich passt. Eigentlich müsste ich ein Betreuungsforum für Schlaganfallangehörige fragen aber sicher gibt es hier auch viele Betreuende, die mir weiterhelfen können.

Kurz zur Situation: vor 5 Monaten erlitt mein Vater (61 Jahre) einen weitläufigen Schlaganfall auf der rechten Gehirnhälfte, seitdem hat er Phase B und C der Reha durchlaufen und ist nun zur Übergangspflege in einem Pflegeheim. Man kann alles mit ihm besprechen und er wirkt fast wie vorher, allerdings ist er schlecht orientiert und hat Zeitgitterstörungen. Zudem ist er halbseitig gelähmt und kann bisher noch nichts alleine tun, also nicht selbst waschen, anziehen o.Ä., sodass er nicht wieder alleine leben können wird (so die Prognose der Ärzte). Gleichzeitig will er aber nach Hause und realisiert seine Situation noch nicht wirklich und spricht z.B. davon, dass er wieder arbeitet oder Auto fährt. Wir sind viel mit ihm im Austausch und versuchen alles mit ihm zu besprechen und so transparent wie möglich zu gestalten, allerdings wohnen alle Familienangehörigen weit entfernt.

Nun zu meinem Problem: das Amtsgericht hat mich kurz nach dem Schlaganfall gefragt ob ich die Betreuung für medizinische und Aufenthaltsangelegenheiten übernehme (Vermögens- und Behördenangelegenheiten macht meine Tante) und ich habe schnell ja gesagt, weil ich ihm helfen wollte/möchte.

Jetzt merke ich langsam, dass ich mich ziemlich überlastet fühle. Ich bin 30 Jahre alt, arbeite Vollzeit und pendel zwischen zwei Städten, sodass ich nur am Wochenende zu Hause bin. Mein Vater wohnt etwa 2 Stunden mit dem Zug entfernt von mir und wir haben kein einfaches Verhältnis. Seine Schwestern, die sich in Zukunft zu dritt die Betreuung mit mir teilen wollen wohnen etwa 400 und 700 km entfernt und ich halte das für unrealistisch und zudem schwierig im ständigen Austausch und abwechselnd vor Ort zu sein.

ich stecke nun ziemlich in der, vor allem moralischen, Klemme. Einerseits möchte ich meinen Vater in dieser extrem schwierigen Situation unterstützen. Andererseits fühle ich mich schon sehr an der Grenzen des Leistbaren und habe ein nicht einfaches Verhältnis zu ihm. Zudem verstehe ich die Betreuung so, dass ich ihn auch regelmäßig 1-2 mal im Monat besuchen sollte und ständige Ansprechpartnerin sein muss, um dieser Aufgabe in seinem Sinne gerecht zu werden.

Mich würde interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt? Wie seht ihr eine Betreuung auf Distanz und aufgeteilt zwischen verschiedenen Personen? Ist das machbar neben einem Vollzeitjob? Ich habe auch schon sehr viel im Internet recherchiert und mit einem Betreuungsverein Kontakt aufgenommen aber kann mich nicht richtig zu einer Entscheidung durchringen.

Für jederlei Anmerkungen, Tipps und vor allem Erfahrunge bin ich daher sehr dankbar! 

Liebe Grüße

Katharina

#2

tron33

Berlin, Deutschland

Hallo Katharina,

vorneweg: Nur eigene Betreuungs-Erfahrungen, allerdings nichts auf Distanz.

Wieso ist das so, dass der Aufgabenkreis Vermögenssorge nicht bei dir (Kind) sondern einer Schwester liegt? Magst du das nicht so? Es ist sicher auch für deinen Vater am Besten, wenn die Kinder das übernehmen, da sie potentiell am Vermögenserhalt mehr interessiert sind, als sämtliche anderen Beteiligten. Deine Tante wird beispielsweise nicht herangezogen, wenn es finanziell irgendwo eng wird - du allerdings schon. Das würde mir Sorgen machen. Sie könnte da leichtfertiger entscheiden, während du vielleicht eher interessiert wärest, die Finanzen zusammenzuhalten.


Wenn du ein schwieriges Verhältnis hast, dann überlaß die anderen Sachen einem anderen Betreuer.

Nutze die wenigen Besuche dann besser für was anderes. Dadurch musst du nicht, sondern willst oder willst auch nicht und kannst es lassen, wenn es nicht geht. Als Betreuer bist du ja auch ein wenig verpflichtet, gerade in den medizinischen Dingen kommt möglicherweise der ein oder andere mit der Bitte um Genehmigung hierzu und dazu. Sollte es ihm schlechter gehen und er kommt mal in die Klinik und braucht OPs, dann musst du zu jedem Eingriff eine Unterschrift leisten, sicherheitshalber meist nach persönlicher Aufklärung. Z.B. wollten die Anästhesisten immer ein persönliches Gespräch, zu dem man anreisen durfte. Das ist - gerade wenn du es dann nicht gerne machst - belastend.


Betreuung zu teilen stelle ich mir schon schwer vor, wenn alle im gleichen Haus wohnen. Mit Entfernungen kann das gar nicht klappen. Dazu sind die Aufgabengebiete viel zu verzahnt. Zumindest nicht, wenn irgendwas für deinen Vater dabei heraus kommen soll. Das muss man aj auch berücksichtigen. Der Behörden-Zweig kann extrem anstrengend sein, wenn man was für den Betreuten erreichen will. Ein fauler Betreuer hat weniger Arbeit, erreicht aber für den Betreuten nichts.


Vielleicht kannst du dir die Vermögenssorge zuteilen lassen und die anderen Dinge abgeben? Dann hast du immer den Überblick und weisst, ob und wann was auf dich zukommt.


Insgesamt solltet ihr aber doch einen (beruflichen) Betreuer vor Ort wählen, ob man sich dann allerdings die Aufgabenkreise aufteilen kann, weiss ich nicht.

LG



Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »tron33« (11.02.2019, 23:24)
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