#1

Julchen27

Salzburg, Österreich

Hallo liebe Forum-Mitglieder,
erstmal noch ein gutes neues Jahr!
Ich bin neu hier und hoffe ihr könnt mir ein bisschen weiterhelfen.
Die Mutter von meinem Freund hatte Anfang Oktober eine schwere rechtsseitige Hirnblutung, aufgrund eines geplatzten Aneurysmas. Sie wurde sofort in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt. Sie wurde einige Male operiert, unter anderem wurde ihr ein Teil des Schädelknochens entfernt, weil der Hirndruck zu sehr angestiegen ist. Ein Shunt wurde ihr auch gelegt. Seit 4 Wochen ist sie jetzt schon in der Reha, macht aber leider nur wenig Fortschritte. Die Tracheostoma konnte mittlerweile entfernt werden, das Schlucken funktioniert ganz gut, allerdings nicht mit Nahrung. Sie muss weiterhin künstlich ernährt werden.
Sie bewegt die rechte Hand und den rechten Fuß relativ gut, die linke Hand gar nicht, den Fuß ab und zu. Sie spricht nicht und hat keine Mimik.
Der Arzt hat uns heute mitgeteilt dass sie motorisch in dieser Zeit viel mehr Fortschritte machen hätte müssen und die Chancen sehr gering sind das sich noch viel tut. Wir sollen schon mal überlegen wie es weiter gehen soll, Pflegeheim oder zu Hause.
Kann man nach 4 Wochen Reha wirklich schon sagen das sie ein Pflegefall bleiben wird?
Ist das mit der nicht vorhanden Mimik normal in ihrem Zustand?
Wie können wir ihr gezielt helfen? Außer sie natürlich so oft wie möglich besuchen.
Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Tipps geben und eure Erfahrungen mitteilen.
Vielen Dank und liebe Grüße
Julia

 

#2

Gisa52

41068 Mönchengladbach, Deutschland

Hallo, liebe Julia,

wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich auch nach langer Zeit noch ganz viel tun kann. Man muss allerdings unendlich viel Geduld haben und immer wieder versuchen, die Kranken anzusprechen, Übungen mit ihnen machen, etc. Besuche und Nähe von denen, die sie liebt, sind bestimmt sehr wichtig für Deine Schwiegermutter.

Meine Tochter war ja mit knapp 39 Jahren noch sehr jung, als sie mehrere Hirninfarkte und Schlaganfälle mit fast dem gesamten Organausfall erlitt. Es ging in kleinen Schritten immer ein bisschen aufwärts - und das ist auch heute, nach sechseinhalb Jahren, noch so.  Und ich weiß, dass sich auch bei älteren Menschen das Gehirn noch ganz gut wieder erholen kann. Da gibt es hier ja hier etliche Beispiele.

Zunächst einmal wünsche ich Deiner Schwiegermutter gute Besserung, die Betreuung und Therapien die sie braucht, alles Gute - auch für Euch - und die nötige Geduld, das alles durchzustehen.

Liebe Grüße

Gisela

#3

Heinz Wolter

königswinter, Deutschland

Liebe Julia,

lasst Euch nicht von Aussagen der Ärzte unter Druck setzen.

Zu langsam, zu wenig etc. Nach einer vierwöchigen Reha lässt sich nichts über die Entwicklung nach einer Hirnblutung sagen.

Ich hatte 1971 mit 19 Jahren eine schwere Hirnblutung und wurde zu spät behandelt. Die negativen Aussagen der Ärzte ziehen den Betroffenen und die Angehörigen nur runter. Geduld und Anteil an der Umgebung ist gefragt. Ich habe es geschafft wieder ins Berufsleben zurück zu finden, obwohl die Ärzte, die Versicherungen und die Therapeuten mir keine Chance gegeben haben. Die Ärzte gehen lediglich von ihren Annahmen aus. Das ist etwas anderes als Wissen. Mit diesem Unwissen verunsichern sie lediglich und führen zur Depression, die dann behandelt werden kann. Darauf kann man jedoch verzichten. Weil man hier nicht von Wissen sprechen kann. Wobei zu beachten wäre, dass ich noch nach 46 Jahren an mir arbeiten muss um immer noch Fortschritte zu verzeichnen, ist es klar, das ihr einen schweren Weg habt. Geht ihn und ihr werdet sehen, dass es sich lohnt mit dem Training, dem Learning by Doing, nicht nachzulassen.

Ich wünsche Euch viel Kraft, Ihr werdet eine positive Entwicklung sehen, wenn Ihr Euch nicht verunsichern lasst. Das Denken entscheidet. Holt Euch Hilfe wo Ihr könnt. Baut Pausen ein. Öftere kleine Pausen erhöhen die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.

Nur Mut und Viel Erfolg

Heinz 

www.selbsthilfegruppe-gehirn.de

 

#4

Julchen27

Salzburg, Österreich

Vielen Dank für Eure Antworten.

Leider setzen uns die Ärzte ziemlich unter Druck. Wie können wir uns helfen wenn die Ärzte sagen sie sehen keinen Fortschritt, wir müssen in den nächsten zB. zwei Wochen einen Platz im Pflegeheim haben. 

Heute hat der Arzt gesagt, in dem Pflegeheim direkt am Krankenhausgelände ist ein Platz frei, wir müssten uns aber bald entscheiden, sonst ist der Platz weg. 

Was sollen wir tun? Wird in einem Pflegeheim weiter mit ihr gearbeitet? Physio, Ergo und Logo? 

Sollen wir einen Arzt außerhalb des Krankenhauses hinzuziehen?

Für uns macht sie immer wieder kleine Fortschritte, mittlerweile spricht sie ein paar Worte, leider sehr leise und undeutlich, aber sie will mit uns sprechen. Sie versteht was wir ihr sagen, bekommt so gut wie alles mit, motorisch geht einfach noch nicht viel und das ist für die Ärzte zu wenig.

Warum geben ihr die Ärzte so wenig Zeit und schreiben sie gleich ab?

 

Liebe Grüße 

Julia

 

#5

Gisa52

41068 Mönchengladbach, Deutschland

Hallo, Julia,

es ist wirklich unmöglich und unverantwortlich, wie die Ärzte reagieren! Die können doch noch eine Verlängerung der Reha beantragen - nach so einer schweren Hirnerkrankung und den Fortschritten, die ja eindeutig da sind, müsste das doch möglich sein! Versuch es noch einmal - vielleicht auch über die Krankenkasse!

Aber auf jeden Fall müssen die Therapien weitergehen, natürlich auch im Pflegeheim - die verschreibt ja der Hausarzt!

Alles Gute, viel Kraft und Geduld..... und viel Glück bei der Suche nach den richtigen Ärzten und dem Pflegeheim!

LG

Gisela

 

#6

Heinz Wolter

königswinter, Deutschland

Hallo, Julia,

es ist wirklich unmöglich und unverantwortlich, wie die Ärzte reagieren! Die können doch noch eine Verlängerung der Reha beantragen - nach so einer schweren Hirnerkrankung und den Fortschritten, die ja eindeutig da sind, müsste das doch möglich sein! Versuch es noch einmal - vielleicht auch über die Krankenkasse!

Aber auf jeden Fall müssen die Therapien weitergehen, natürlich auch im Pflegeheim - die verschreibt ja der Hausarzt!

Alles Gute, viel Kraft und Geduld..... und viel Glück bei der Suche nach den richtigen Ärzten und dem Pflegeheim!

LG

Gisela

 

 Hallo Julia,

Zur Info,

der Hausarzt ist meist überfordert mit Rezepten zur Weiterbehandlung. Hier ist der behandelnde Neurologe gefordert. Eine Kurverlängerung muss rechtzeitig von den Kurärzten angemeldet werden. Daher ist Eile geboten. die erforderliche Weiterbehandlung muss erfolgen um den Pflegeaufwand zu mindern und Dich wieder zu mobilisieren, um Dich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Gib nicht auf und kämpfe.

LG
Heinz

#7

Gisa52

41068 Mönchengladbach, Deutschland

Hallo, Heinz,

nur ganz kurz: Meine Tochter hat einen guten Hausarzt und der stellt auch die Rezepte für Logopädie,Physio-, Ergotherapie aus - der Neurologe hat meine Tochter nur ganz selten gesehen! Ich kann natürlich nur von unserer Erfahrung berichten!

Lieben Gruß

Gisela

 

#8

Gisa52

41068 Mönchengladbach, Deutschland

Hallo, Heinz,

nur ganz kurz: Meine Tochter hat einen guten Hausarzt und der stellt auch die Rezepte für Logopädie,Physio-, Ergotherapie aus - der Neurologe hat meine Tochter nur ganz selten gesehen! Ich kann natürlich nur von unserer Erfahrung berichten!

Lieben Gruß

Gisela

 

#9

Heinz Wolter

königswinter, Deutschland

Hallo, Heinz,

nur ganz kurz: Meine Tochter hat einen guten Hausarzt und der stellt auch die Rezepte für Logopädie,Physio-, Ergotherapie aus - der Neurologe hat meine Tochter nur ganz selten gesehen! Ich kann natürlich nur von unserer Erfahrung berichten!

Lieben Gruß

Gisela

 

 Schön wenn das mit dem Hausarzt klappt. Wenn nicht, dann Neurologe.

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