#1
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Hallo,

nachdem ich gestern aus dem Krankenhaus entlassen wurde, habe ich mich erst einmal mit medizinischen Fachbegriffen, die mich noch am Ostersonntag nicht sonderlich interessiert haben, vertraut gemacht. Dabei bin ich auf dieses Forum Betroffener gestoßen, das mir beim Lesen einiger Beiträge das wohltuende Gefühl vermittelte, nicht allein zu sein mit meiner Erkrankung.

Ich war vor meinem Hirninfarkt kaum beim Arzt, weil es mir wirklich immer gut ging - selbst Erkältungen trafen mich nicht. Am Ostermontag ging es mir auch gut, aber seltsamerweise hatte ich Sprachprobleme, als ich aus der Dusche kam. Es war seltsam - nichts war dem vorausgegangen. Im Kopf bildeten sich Sätze, aber ich war nicht fähig, sie auszusprechen. Das "P" und das "Z" waren für mich unüberwindbare sprachliche Hürden.

Nach dem ersten Schock und der bleischweren Erkenntnis, dass es wohl nur ein Schlaganfall sein könne, bin ich in ein KH mit einer "Stroke Unit" gefahren. Noch in der Aufnahme, etwa zwei Stunden später, sprach ich plötzlich wieder völlig normal. Ich habe, das muss ich zugeben, intensiv mit dem Gedanken gespielt, das Ganze abzutun und wieder zu gehen, aber dann habe ich mich glücklicherweise doch dazu entschlossen, es ärztlich abklären zu lassen.

Nach einer Woche KH-Aufenthalt und diversen Untersuchungen weiß ich nun, was ein PFO und ein Vorhofseptumaneurysma sind. Und ich weiß auch, dass ich ein hohes Risiko eines erneuten Schlaganfalls trage - obwohl ich 47 Jahre alt geworden bin, ohne jemals durch diesen Herzfehler beeinträchtigt gewesen zu sein.

Was wirklich weh tut, ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr auf meinen Körper verlassen kann. Was wäre gewesen, hätte ich den Hirninfarkt während des Schlafens gehabt? Ich hätte die Warnsignale nicht einmal bemerkt.

Außerdem kann ich schlecht mit dem Mitleid anderer umgehen. Dass es mich "so jung" getroffen hat, ist nun einmal so und man kann es nicht ändern (außerdem gibt es Beispiele dafür, dass die Krankheit bereits Kinder trifft). Wie seid ihr mit dem (durchaus gut gemeinten) Mitleid anderer umgegangen?

Und was mich noch interessieren würde - wie lange dauerte es bei euch, bis ihr es akzeptiert hattet? Bis ihr nicht mehr in Tränen ausgebrochen seid? Oder fällt es mir nur so schwer, weil ich noch keine wirklich schwere Krankheit durchmachen musste? Hat jemand von euch psychotherapeutische Hilfe benötigt?

Sicher mögen meine Probleme seltsam klingen angesichts der Schwere der Beeinträchtigungen, die manche/-n von euch getroffen haben, aber vielleicht kann ich doch von euren Erfahrungen partizipieren. Es würde mir sehr helfen - wenn es nicht mehr so weh tun würde und ich ohne Selbstmitleid mit der Krankheit umgehen könnte. Aber wie schaffe ich das? Danke im Voraus für eure Antworten!

Ich wünsche allen, die diesen Beitrag gelesen haben,  einen gesunden, sonnigen Tag.

Viele Grüße, Heike
#2
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hallo heike,

es ist irgendwie schön zu lesen, dass es einem menschen gelungen auf die warnsignale seines körpers zu hören.
nicht, dass es dir geht wie mir nit meiner hirnblutung und einigem mehr.
meine geschichte habe ich unter http://www.margy-plauen.de
aufgeschrieben. willkommen im forum.
vieleicht gelingt dir noch das steuer rumzureissen. ich wünsche dir dabei viel glück.
beim studium deiner erkrankung soll die linksammlung unter www.margy-2.de
etwas helfen., denn mancher fängt erst wenn die erkrankung einen erwischt damit an man denkt immer es erwischt nur die anderen.

margy
#3
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Hallo Heike!
 
Ich kann Deine Gefühle sehr gut verstehen, auch wenn ich nicht direkt betroffen bin, sondern "nur" Angehörige.
 
Es ist einfach immer schlimm, wenn man sich plötzlich ysozusagen nicht mehr "auf sich selbst verlassen" kann. Gerade, wenn man bisher immer funktioniert hat, der Körper und das Wesen bestens und problemlos "kooperiert" haben, ist es ein riesiger Schock, wenn sich so eine Baustelle auftut, die einen erst einmal völlig überfordert. Ein großes Stück an Sorglosikeit und Urvertrauen ist erst einmal weg.
 
Ich denke sagen zu können, das geht allen so, die Betroffen sind. Selbst den Angehörigen.
 
Dass Du Dich hier angemeldet hast, ist bestimmt schon ein guter Schritt, die neuen Erfahrungen zu verarbeiten. Hier kannst Du lesen, welches Schicksal uns alle ereilt hat. Und mit der Zeit kannst Du Deine eigene Situation dadurch vielleicht besser gewichten. Mir ging es so, dass ich, als ich den ersten Schock ein wenig verwunden habe, auch dankbar war, dass wir noch Chancen haben.
 
So wie Du Deine Situation schilderst, hast Du gute Chancen und bist mit einem blauen Auge davon gekommen bzw. kannst etwas daran tun, dass sich Dein Risiko verringert. Unabhängig davon mußt Du aber erst einmal sozusagen den Verlust der Sorglosigkeit verkraften. Und lernen, mit neuen Ängsten zu leben. Mein Eindruck ist, dass dies recht unabhängig ist vom Alter der Betroffenen, solange sie voll im Leben standen.
 
Ich finde es toll, dass Du den Mut hast, Deine Gefühlslage zu erklären. Damit gehst Du schon einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung! Du wirst sehen, bald kommst Du damit besser klar! Wir stehen Dir, so gut wir können, gern zur Seite!
 
Sonnige Grüße von Kate
#4
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Hallo Heike,
 
ich wusste genau was mir passiert ist, nur nicht ich habe mir leid getan, sondern meine Frau und meine Tochter taten mir leid, weil ihnen die ganze Tragweite noch nicht bewusst war.
 
Als Sanitäter und Zahntechniker, bin ich medizinisch ein wenig vorgebildet und wusste über Schlaganfall und Hirnblutung bescheid. Ich konnte es auch sofort annehmen und machte alles, damit ich wieder ein selbstständiges Leben erreiche.
 
Du solltest überlegen das Foramen Ovale mit einem Schirmchen verschließen zu lassen, wenn dieses Loch die Ursache für deinen Schlaganfall war.
 
Allerdings gibt es hier geteilte Meinungen. Sprich mit deinem Arzt darüber.
 
Positives Denken hilft dir weiter!
 
Liebe Grüße Manfred
#5
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Uiiii.

Da muss ich erst einmal tief durchatmen. Margys Seite wird jede/-n, den oder die es nicht so schwer erwischt hat, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückführen. Danke dir dafür, Margy! Ich bewundere deinen Lebensmut aufrichtig und denke, dein Lebensbericht wird mir helfen, meine Krankheit zu akzeptieren.

Danke auch dir, Manfred, für deinen Beitrag.

Kate, dir danke ich von ganzem Herzen, denn du hast den Nagel genau auf den Kopf getroffen: Urvertrauen und Sorglosigkeit, meine bisher ständigen Begleiter, sind auf einmal weg und damit muss ich fertig werden. Dass es euch allen so ergangen ist und all denen, die diese Krankheit in Zukunft noch treffen wird, auch so ergehen wird, ist wirklich ein Trost, denn ich bin nicht mehr allein mit diesem Problem.

Dieses Forum wird mir sicher helfen, dass ich einen Weg für mich finde, wie ich mit dieser für mich noch so neuen Krankheit, die ich wohl oder übel akzeptieren muss, umgehe.

Dem oder der Initiator/-in dieses Forums ein herzliches Dankeschön!

#6
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Hallo,

ja, es fällt schwer, das Schicksal so zu akzeptieren. Mich hat der SA mit 32 erwischt. Natürlich gibt es zahlreiche Momente, wo ich mich dem Selbstmitleid hingebe. Aber genauso oft denke ich daran, was für ein riesiges Glück ich hatte, weil ich kaum etwas zurückbehalten habe. Versuche, es als 2. Chance zu sehen.

Du solltest zumindest mal mit einem Psychotherapeuten über deine Situation sprechen, das heißt ja nicht, dass du gleich eine Therapie machen musst... Ich habe diese Hilfe in Anspruch genommen, weil ich meine Ängste und Panikattacken allein nicht in den Griff bekommen habe. Und das Gefühl, dem eigenen Körper nicht mehr vertrauen zu können, kenne ich auch sehr gut.

Ich wünsch dir viel Kraft, damit du lernst, damit umzugehen.

#7
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[quote]Zitat von CatBalou
Hallo,

Was wirklich weh tut, ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr auf meinen Körper verlassen kann. Was wäre gewesen, hätte ich den Hirninfarkt während des Schlafens gehabt? Ich hätte die Warnsignale nicht einmal bemerkt.
Außerdem kann ich schlecht mit dem Mitleid anderer umgehen. [/quote]
 
Hallo Heike,
 
ich bin zwar älter, aber ich hab mich auch immer primär über Leistung definiert und war von meiner robusten Gesundheit überzeugt - davon muss man erst mal runtergekommen. Da ich immer gearbeitet habe, war ich es auch gewohnt, immer Leute um mich zu haben - das ist schon schwierig jetzt. Das Mitleid (oder was auch immer) der Leute stört mich nicht; immerhin bieten früher unfreundliche Nachbarinnen plötzlich dauernd Hilfe an; ist ja gar nicht schlecht, das "in Reserve" zu haben...
Eher stören mich überzogene Erwartungen von Leuten, die mich besser kennen ("du bist eine Kämpferin, du schaffst das schon" usw.), die nicht sehen, wieviel Zeit und Geduld jeder Fortschritt braucht.
 
LG Marianne 
#8
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hallo liebe heike,
erstmal danke ich dir für deine worte.
also mich hat der schlaganfall mit 38 getroffen, ist auch noch relativ frisch. die aüßeren anzeichen sind alle wieder weg. die lähmungen hielten nur ein paar tage an und das sprechen ging nach kurzer zeit auch wieder.
 
nun zu der seele..... die spielt verrückt. ich hab ne fürchterliche panik, die kontrolle über körper und geist zu verlieren und eine wahnsinns angst, einem anderen zur last zu fallen. naja, anfangs dachte ich, besser vielleicht gleich dem leben ein ende zu setzen. aber ich hab kinder- und demnach auch verantwortung. die vorstellung, die kinder würden mich irgendwo tot auffinden, machte diese idee zunichte.
also, neue variante: wenn ich mich nicht wegschaffen kann, muss ich mein umfeld vergraulen. das funktionierte aber auch nicht. ich war ein absolutes biest und keiner ging weg. mittlerweile muss ich sagen, zum glück! damals machte mich das fertig. ich verletzte, war aggressiv, ja sogar bösartig und alle noch bei mir. puh!
eine psychotherapie erschien mir sehr wichtig, ich hab sie in angriff genommen und es tut gut. allerdings muss die chemie zwischen therapeut und patient stimmen. auch dabei hatte ich glück.
in 2 wochen fängt meine rahamaßnahme an und ich bin auch heilfroh darüber. brauche abstand und etwas ruhe.
ich wünsche dir viel kraft, mit den (scheinbar) unüberwindlichen problemen umzugehen.
wir alle versuchen anscheinend einen erbitterten kampf gegen eine gemeine und heimtückische krankheit zu gewinnen.
carpe diem
Petra
#9
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;)Hallo Heike
mich hat ein Hirnschlag ;(mit 29Jahren heimgesucht--damals das ganze ist jetzt 8 Jahre her gaben mir die Ärzte wo mich am Kopf operierten nur eine 10% Überlebenschance---heute führe ich mit einer Halbseitenlähmung ein recht ansprechendes Leben.Alles Gute weiterhin wünscht der Twinspapa auch unter
:)www.stephan-beer.homepage.t-online.de
#10
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Hallo Catbalou

Ich habe soeben deine Geschichte gelesen und merkte das wir wohl ziemlich ähnliches erlebten. Wie geht es bei dir weiter? Haben sie bei dir auch ein Transoesophagiale Echokardiographie gemacht wo sie das mit dem Foramen ovale feststellten?
Ich hoffe ehrlich auch, dass es bei mir dieses Problem ist. Lieber habe ich eine Diagnose und man kann was dagegen tun als wenn man die Ursache nicht findet.

Alles Gute
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