#11
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Hallo Waldi,

mein Mann lag auch mehrere Wochen im künstlichen Koma. Das Absetzen der dafür zuständigen 3 Medikamente dauerte Wochen. Manchmal musste auch ein Schritt zurück gemacht werden, weil der Hirndruck wieder anstieg. Ich habe damals wie hypnotisiert an den drei Dosimetern der Medikamente gehangen und jeden Tag immer erstmal geguckt, ob die Zahlen oder der Rhythmus kleiner wurden. (Ich muss heute immer bitter lachen, wenn ich in einem Spielfilm schon mal sehe wie es da ruck zuck mit einer Spritze geht.) Das langsame Absetzen ist auch wichtig, weil der Körper sonst Entzugserscheinungen zeigt.

Im Nachhinein hat mein Mann das Koma und das Aufwachen gut überstanden, die lange Ruhephase war überlebenswichtig für sein Gehirn, aber für die Angehörigen ist das ein quälend lange Zeit.

Ich wünsch euch viel Kraft und Geduld.

LG zaubernuss

#12
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Hallo,

Es waren bewegende Momente als meine Schwester kurz ihren Zeh bewegt, dann daraufhin ihre Beine bewegt hatte. Sie öffnet auch schon Ihre Augen, aber leider verfolgt sie noch nicht mit den Augen.

Hat jemand dies bzgl. Erfahrungen gemacht?

Kann man diese Bewegungen als ein positives Zeichen zur Besserung deuten? Würde mich sehr über eure Nachrichten freuen.

LG

Waldi

#13
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Waldi, das sind alles positive Zeichen, laß ihr Zeit.

 

LG Yvonne:)

#14
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Hallo,

Ich bin Steven ich habe mich sehr gefreut so viel positives hier zu lesen. Vielleicht kann ja jemand etwas zu unserem fall sagen.Ich habe  meine Mutter bewuslos in ihrer wohnung gefunden Sie muss da ca.15-17 Stunden gelegen haben mit einem geplatzten Aneurysma. Im Krankenhaus sofort Op um den druck zu senken die Schädeldecke musste aber nicht abgenommen werden. Nach ca.2,5 Wochen künstlichen Koma erste aufwachversuche wo der Druck aber wieder Anstieg.Nach3,5 keine sedierungsmittel mehr nach vier Wochen hatt sie leicht die Augen aufgemacht.Sie ist jetzt nach 4,5 Wochen in der reha und reagiert auf ansprechen und macht die Augen weit auf. Für die ärtzte in der reha ist sie wach und können nichts sagen wie es weiter geht.Im Krankenhaus wurde gesagt es war sehr viel blut im kopf und die Schäden können sehr schlimm sein. Ich weiss nicht mehr ob ich noch Hoffnung haben soll bzw.kann.Es wurde halt auch immer betohnt das sie halt so lange alleine war bis hilfe kam.

gruß Steven


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal bearbeitet, zuletzt von »viper767« (28.11.2014, 19:25)
#15
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hallo steven.

ich war vor 14jahren 7wochen im künstlichen koma --danach musste ich alles wieder komplett neu erlernen.gruss von stephan ;)

#16
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ich lag 6 wochen im koma- ich wurde langsam wach redete nur unsinn!nachdem der schlauch aus meinem hals entfernt wurde. stellte ich festdas ich gar nich sprechen konnte!- nur wortsalat- das ist auch heute so!so manche worte kann ich gar nicht aussprechen....-schlimm war es das ich allein war!-keiner der mir erzählt was passiert war!und diese schmerzen!

#17

Winfried

Kiel, Deutschland

Liebes Forum,

wenn ich über all die unfassbaren Schicksalsschläge lese und wir ihr für eure Angehörigen und auch für dieses Forum kämpft und ein offenes Ohr habt, fühle ich mich nicht mehr ganz so alleine und hilflos. Nun habe ich den Mut gefunden, euch unsere Geschichte zu erzählen:

Meine Ehefrau brach am 12.02. plötzlich mit einem Kreislaufversagens zusammen. Als ich dies bemerkte, rief ich den Rettungsdienst an und begann mit der Herz Druck Massage. Meine Frau wurde durch den Rettungsdienst geschockt und zurück geholt. In der Uniklinik wurden fünf Hirnaneurysmen festgestellt. Eines dieser war geplatzt und führte zu einer starken Einblutung. Man versorgte alle Aneurysmen, stoppte die Einblutung, meine Frau erhielt einen Shunt, eine Luftröhrenschnitt und eine PEG Sonde. Nach 14 Tagen wurde meine Frau auf die neurologische Frührehaintensivstation verlegt. Hier ist sie nun schon seit sechs Wochen jedoch ohne das Bewusstsein zurück erhalten zu haben. Nun will man sie weiter von der Beatmung entwöhnen und dann entweder in eine häusliche Pflege oder in ein Pflegeheim entlassen. Es geht mir alles viel zu schnell und ich habe das Gefühl, dass ich für meine Frau mehr Unterstützung brauche und vor allem mehr Rehazeit.
Auf keinen Fall möchte ich meine Frau in eine Pflegeeinrichtung geben. Sie soll bestmöglichst in ihrem gewohnten Umfeld versorgt werden, Einen ersten Kontakt habe ich mit dem Teamwerk hergestellt. 
 
Wissen Sie, ich wache nachts schweißgebadet auf weil ich diese Bilder von der Reanimation meiner Frau nicht aus dem Kopf bekomme. Jedesmal wenn das Telefon klingelt, bekomme ich Herzrasen, weil ich Angst vor der nächsten Hiobsbotschaft habe. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, ich weiß nicht wie es weitergehen soll und kann.
 
Über jeden Tipp wie ich meine Frau bestmöglich unterstützen kann, bin ich Ihnen sehr dankbar.
 
#18

Heinz

königswinter, Deutschland

Guten Abend Winfried,

das wichtigste ist für Dich, dass Du die Nerven behältst und Dich von den Fachleuten nicht verrückt machen lässt. Das heißt nicht, dass Du in dieser Situation unvernünftig handeln sollst.

Leider seid ihr von den Corona Maßnahmen derzeit besonders betroffen.

Das ist auch für mich auch eine neue Situation.

Grundsätzlich braucht der Betroffene in dieser Situation die aufbauende Nähe der Angehörigen. Für Ängste sorgen die medizinischen Fachkräfte zur Genüge. Diese gehen grundsätzlich von ihren negativsten Erfahrungswerten aus. Diese weichen durchaus oft von der individuellen Situation des Betroffenen ab. Es kommt jetzt darauf an, dass Du mit dieser Situation positiv und optimistisch umgehst. Dein Denken überträgt sich auf Deine Frau.

Du kennst Deine Frau und weißt, wie Du sie motivieren kannst! Denn sie hat Schwächen und Fähigkeiten. Die Ärzte und Therapeuten sehen nur die Schwächen. Fördere Du die Fähigkeiten.

Such Dir Ruhepole. Leder wirst Du mit Formalismus überschüttet. Jetzt kommt es darauf an, dass Du genügend Schlaf bekommst und Dir Hilfe holst.

Du kannst ihr besser helfen als die Therapeuten und sie motivieren wieder aufzuwachen und mit ihrer Situation optimistisch zu kämpfen. Hierbei ist nicht der Kampf ums Überleben gemeint. Der sportliche Wettkampf ist in dieser Situation zur Wiedererlangung der Selbständigkeit gefordert.

Als Denkanstoß füge ich Dir mein in Arbeit befindliches kurzes Konzept meines Erfahrungsberichts der letzten 50 Jahre bei.

Liebe Grüße

Heinz


#19

Amsel

Bad Mergentheim, Deutschland

Ja Winfried, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du die schrecklichen Bilder nicht vergessen kannst. Ich träume zwar nicht (mehr) von dem was ich erlebt habe, aber mir kriecht noch heute, fast 2 Jahre danach bei jeder minimalen temporären Verschlechterung meines Mannes die Angst ins Genick. Dadurch, dass bei uns so einige weitere Probleme im Laufe der Zeit auftraten, ist bei mir nie wirklich Entspannung möglich gewesen. Kaum, dass es aufwärts ging, kam nämlich schon der nächste Schlag.

Diese Angst, sie macht mürbe - und Dich Deine Träume (auch wenn man über Träume einiges verarbeiten kann). Ich habe in der Anfangszeit meine Priorität bei meinem Mann gesetzt und das würdest Du vermutlich ebenfalls tun, wenn Dir nicht Corona dazwischen pfuschen würde. Nun gibt es aber Corona und Du kannst nicht Deine Zeit bei Deiner Frau verbringen. Warum also aus dem Übel eine Tugend machen und nicht für Dich etwas tun, damit Du, wenn Deine Frau entlassen wird, wieder belastbarer bist?

Hast Du schon darüber nachgedacht, Dir einen Therapeuten zu suchen? Hast Du Deinen Hausarzt darauf angesprochen? Hast Du Menschen mit denen Du das Erlebte verarbeiten kannst?

Gleichgültig ob Therapeut oder Familie/Freunde... darüber sprechen können/dürfen... Angst formulieren dürfen und auch mal (Corona hin oder her) in den Arm genommen werden, das könnte weiter helfen. Mir zumindest hilft das - auch wenn ich sagen muss, dass unser Freundes/Bekannten/Familienkreis möglichst nichts davon hören wollte. Man fragte zwar, aber wenn ich auch nur ansatzweise davon erzählte, dann hat man abgewiegelt. Aber wer weiß, vielleicht hast Du mehr Glück mit Deinem Umfeld. Einen Versuch ist es wert, denn andernfalls "erstickst" Du regelrecht an Deinen "Bildern". 

Aussprechen dürfen (und zu wissen, dass man es tun darf ohne zur Last zu fallen) entlastet.

Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)? - www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (neurologen-und-psychiater-im-netz.org) .. 

Zu der Frage, wie Du Pflege zu Hause organisieren kannst kann ich wenig beitragen. Ich hoffe, es melden sich die User hier noch zu Wort die Pflege im eigentlichen Sinn zu Hause durchführen.

Evlt. helfen Dir folgende Ideen weiter wie Du Deine Frau trotz Corona-Besuchsverbot im Koma erreichen könntest.

- Sprachnachrichten aufnehmen (Bücher vorlesen, Gedichte, Erinnerungen erzählen, Gedanken) und dem Pflegepersonal mit der Bitte die Nachrichten am Bett laufen zu lassen übergeben. Natürlich nicht nur eine CD oder USB-Stick, sondern auch das Abspielgerät inkl. Lautsprecher dazu. Ich würde lange Texte wählen, dazwischen Lieblingslieder einblenden, dann wieder neue Textpassagen. Das Ziel ist, dass Deine Frau Deine Stimme hört (wenn sie noch andere Bezugspersonen hat (Kinder, Enkel), auch deren Stimme).

- Falls sie einen besonderen Duft mag (Dein Rasierwasser, ihr Parfüm, Rosenduft (gibt es in kleinen Flaschen) usw.): ein Duftkissen damit besprühen, einen Teddy/Kuscheltier, ein Kuschelkissen und auch das übergeben.

Sicherlich fallen Dir noch andere Dinge ein... evtl. kannst Du meine Ideen optimieren. Du kennst ja Deine Frau.. Ziel ist es, über Hilfsmittel Deine fehlende körperliche Präsenz ein wenig zu mildern, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es vielen Patienten geholfen hat aus dem Koma wieder heraus zu finden wenn ihnen nahestehende Menschen an ihrem Bett standen.

Ach so.. was das Mehr an Rehazeit angeht. Ich habe das damals auch so gesehen und die Rehazeit aktiv verlängert. Mir ging es damals darum, dass mein Mann wieder so mobil ist, dass er eine Etage bewältigen kann (einfach, weil er ein Sturkopf ist, Hilfsmittel verweigert hat und ich mir nicht sicher sein konnte, dass er in meiner Abwesenheit die Treppe nicht angeht. Selbst dann, wenn er noch nicht sicher Treppen steigen kann). Das war auch im Rückblick richtig so. Ich muss aber auch sagen, dass er, außer im Physiotherapeutischen Bereich (also Gehen, Aufstehen, Treppen steigen.) die schnelleren und eindrucksvolleren Fortschritte zu Hause mit den Therapeuten vor Ort gemacht hat und macht. Ich dachte damals auch, dass mein Mann nirgends mehr so eine intensive Förderung erfahren wird, stellte aber fest, dass gerade Ergo- und Logopädie sowie Gehirntraining mit den Therapeuten zu Hause um ein Vielfaches effektiver ist. Das lag u.a. sicherlich daran, dass mein Mann jetzt in den genannten Bereichen die engagierteren Therapeuten hat, sondern auch daran, dass die Therapieeinheiten länger sind. 

Also mach' Dich, was die Reha-Verlängerung angeht, nicht verrückt. So lange Deine Frau noch im Koma liegt, dürfte das nicht der springende Punkt sein. Gute Therapeuten zu Hause wären wichtig (hör' Dich mal um.. telefonier Dich durch - hier wäre zu klären, ob Termine überhaupt frei wären). Sicherlich, zu Hause kommen die Therapeuten nicht mehr täglich, aber vieles kannst auch Du übernehmen. Die Therapeuten zeigen in der Regel gerne was Angehörige ebenfalls durchführen können.

So... und jetzt fällt mir erst einmal nichts mehr ein. Außer Dich einfach mal virtuell fest in den Arm zu nehmen. 

Halt die Ohren steif - und wenn Du niemanden hast dem Du erzählen kannst, dann schreib' hier. Irgend jemand wird hier sein.

Amsel

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