#1

Marlene

Salzburg, Österreich

Mein Vater hatte vor einigen Tagen einen Schlaganfall und leidet seitdem an einer Aphasie..

Hallo Leute, 

Ich heisse Marlene(20).

mein Vater (59) hatte letztes Wochenende einen Schlaganfall, da er leider alleine wohnt bin ich (wahrscheinlich erst 2 Tage später) drauf gekommen das etwas nicht stimmt. Als ich ihm am Sonntag dem 2 Februar 2020 auf Whatsapp eine Nachricht schicken wollte, hab ich gesehen das er das letzte mal am Freitag dem 31.01.2020 Abends online war.

Sofort war ich innerlich beunruhigt da dieses Verhalten nicht typisch für meinen Vater ist. Er ist normal so gut wie immer erreichbar und meldet sich fast täglich bei mir. Fragt ob alles okay bei mir ist usw. Nach vielen vergeblichen Versuchen ihn telefonisch zu erreichen, beschloss ich Montag um 5 in der Früh mit meiner Mutter zu ihm zu fahren. Wir beide spürten das etwas ganz komisch an der Sache ist. Noch am weg zu ihm riefen wir die Rettung+Polizei. Sie informierten uns das er "Wohl auf" ist aber sehr verwirrt rüberkommt. Wir sagten der Rettung sie sollen ihn bitte mitnehmen.

Im Krankenhaus stellte sich heraus das mein Vater einen schweren linksseitigen Schlaganfall hatte. Er reagierte nicht auf Fragen und wiederholte ständig den gleichen Satz "Passt schon" "Passt schon". Konnte nicht sagen wie er heisst, wo er ist usw. 

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich gab mir Schuldgefühle warum ich ausgerrechnet dieses Wochenende nicht bei meinem Vater war, obwohl ich doch so oft am Wochenende bei ihm bin da mein Freund in der Ecke wohnt. Ausgerechnet dieses Wochenende besuchte mich mein Freund. Ich konnte nicht klar denken, hatte so Angst...nach wie vor. 

Jetzt ist es 6 Tage her..Mein Vater leidet an einer schweren Form der Aphasie. Er hat eine Sprachstörung erworben. Er hat starke Probleme sich mitzuteilen..redet oft die gleichen Floskeln und sein Kurzzeitgedächtnis ist auch sehr stark davon beeinträchtigt... mich belastet das alles sehr..ich hab einen sehr sehr engen Bezug zu meinen Vater und ihn so zu sehen ist das schlimmste was mir in meinen 20 Jahren je passiert ist.

Den Anschluss zu einem so wertvollen Gesprächspartner zu verlieren macht mir echt Angst. Seit Montag habe ich so manche spontane Verbesserungen in der Sprache und dem Wortschatz gesehen. Er nennt mich noch bei Nicknamen ( Schatzi, Mausi..etc) aber das ändert sich jeden Tag..einmal hat er mehr Wortschatz und einmal fast nichts..Ihn macht das alles Psychisch sehr fertig da er andauernd versucht sich mitzuteilen, zu erzählen was passiert ist und das er es einfach nicht versteht. Er sucht vergeblich nach Wörtern und da es ihn so stresst sagt er dann lieber egal..durch den innerlichen Stress erhöht sich auch sein Blutdruck und das ist in der Lage garnicht gut..sie dürfen ihn die nächsten 14 Tage auch kein Medikament bzgl. des Blutdrucks geben da, so das Risiko innerlich zu bluten sehr erhöht ist da er etwas mit seinem Herz (Vorhoffflimmern) hatte.

Ich hab so Angst um ihn und um seine Psyche vorallem...das muss der totale Horror sein..in seinem eigenen Kopf gefangen zu sein, sich nicht ausdrücken können..keine Form von guten Unterhaltungen führen.. Plötzlich nicht mehr richtig Lesen oder schreiben zu können...(Er hat sonst mindestens 2 Bücher die Woche verschlungen)

..Ich hab so Angst das er in eine Art depression fällt..Momentan steigt sein Risiko noch einen Schlaganfall zu erleiden um 1% Jeden Tag in den nächsten 2 Wochen meint der Arzt. �

Hat da jemand Erfahrungen? Für mich ist das ganz neu und ich komm wenig damit klar...

Um Rat würde ich mich sehr freuen..

Danke Lg M.


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal bearbeitet, zuletzt von »Marlene« (08.02.2020, 10:35)
#2

jup11

Quarnbek, Deutschland

Hallo Marlene,

die Auswirkungen vom Schlaganfall sind bei jeden anders, gut ist schon einmal, dass dein Vater überhaupt etwas sprechen kann. Bei mir waren es starke Wortfindungsstörungen, dies sich durch Training mit der Logopädin gebessert haben, aber noch heute merke ich, dass mir manchmal einzelne Wörter nicht einfallen wollen, meist kann ich es denn umschreiben. Wichtig ist, dass dein Vater Sprechtherapie bekommt. In den ersten halben Jahr nach dem Schlaganfall kommen noch viele Funktionen zurück, nachher wird es schwieriger.
Hier findest du viele Informationen
https://www.fragile.ch/broschueren-hirnverletzung/

Jürgen

https://www.schlaganfall-info.de/com/Drei_Jahre_danach.pdf

 

#3

EddyMosel

Bernkastel-Kues, Deutschland

Hallo Marlene,

die Auswirkungen vom Schlaganfall sind bei jeden anders, gut ist schon einmal, dass dein Vater überhaupt etwas sprechen kann. Bei mir waren es starke Wortfindungsstörungen, dies sich durch Training mit der Logopädin gebessert haben, aber noch heute merke ich, dass mir manchmal einzelne Wörter nicht einfallen wollen, meist kann ich es denn umschreiben. Wichtig ist, dass dein Vater Sprechtherapie bekommt. In den ersten halben Jahr nach dem Schlaganfall kommen noch viele Funktionen zurück, nachher wird es schwieriger.
Hier findest du viele Informationen
https://www.fragile.ch/broschueren-hirnverletzung/

Jürgen

https://www.schlaganfall-info.de/com/Drei_Jahre_danach.pdf

 

 Hallo Marlene,

auch ich habe hatte vor 5 Jahren einen Schlaganfall, seit dem habe ich Aphasie. Die Wörter und Sätze kommen wieder. Mit dem Sprechen und Schreiben ist so eine Sache. Ich gehe immer noch zur Logopädie und bin froh damit. Üben, üben ist das Beste. Bei mir läufts soweit geht. Und wenn die Sätze nicht rund sind, was solls. Das Leben geht weiter.

😉

LG Eddy

#4

Manuela Liebig

Himmberg, Österreich

Aphasie ist schon ein gravierendes Problem nach einem Schlaganfall. Kommt aber leider vor. Nach meinen Erfahrungen kann man da nur schauen das man lernt damit umzugehen. 

#5

Senne1

Bielefeld, Deutschland

Hallo Marlene,

du hast dich leider nicht mehr zum Stand der Gesundheit deines Vaters gemeldet. Wie hat sich alles in der letzten Zeit entwickelt? Wie geht es deinem Vater heute? Was hat sich gebesser bzw. geändert oder sogar verschlechtert?

Ich hatte nach meinen diversen Schlaganfällen letztes Jahr jedes Mal aufs Neue eine Aphasie. Die Worte waren im Kopf, ich habe sie gesehen wie ein "Spruchband". Aber die dazu gehörende "Tonspur" war um vieles langsamer und teils einfach .....ja, unterbrochen. Eine total frustrierende Situation!!! Ich habe "vorher" auch unheimlich viel gelesen....das ging nicht mehr. Die Logik der Worte wollte nicht in meinen geschädigten Kopf. Auch das: frustrierend!

Nur durch sofortige Logopädie, immer wieder üben (auch wenn es manchmal kaum auszuhalten war) habe ich langsam wieder sprechen gelernt. Jedes Mal musste ich wieder von vorne anfangen, weil jeder neue Schlag das bereits Erreichte zerstört hat.

Da ich im Anschluss an den letzten Schlaganfall im Oktober 2019 eine schwere Depression entwickelt habe und deswegen 2 Monate in der Psychiatrie war, um die Depression mit viel Ruhe, Gesprächen und Therapien "behandeln" zu lassen, musste und muss ich seitdem Antidepressiva nehmen. Diese bewirken zwar einen traumlosen, tiefen und erholsamen Schlaf, aber jeden Morgen grüßt das Murmeltier: meine Aussprache ist wieder langsamer, verwaschen und mir fehlen oder verdrehen sich die Worte. Auch nach einem dreiviertel Jahr ist das jeden Tag eine neue Herausforderung. Mal davon abgesehen, dass vieles einfach anders geworden ist und auch teils nicht mehr besser wird, aber das ist eben so.

Da du deinem Vater so nah stehst, ist klar, dass dich das unheimlich mitnimmt. Aber mach dir bitte keinen Vorwurf, von wegen: du hättest da sein müssen, als es passiert ist. Das ist Schicksal und es hätte auch in jeder anderen Situation passieren können!!!! Du bist deinem Vater eine größere Hilfe, wenn du ihn unterstützt. Nicht, indem du ihm gegenüber Schuldgefühle hast und dich auch noch schlecht fühlst. Du hättest das, was passiert ist, nicht verhindern können!!!! Um das zu verdauen braucht es Kraft. Und wenn dir die Einsicht, dass du nicht Schuld bist, hilft und Kraft gibt, dann profitiert von dieser Kraft auch dein Vater, langfristig!

Vielleicht meldest du dich ja hier noch mal wieder und erzählst, wie es dir, bzw. wie es deinem Vater in der Zwischenzeit ergangen ist. In den meisten Forenberichten vermisse ich hier oft nämlich etwas sehr Wichtiges: die Fortsetzung! - Wie ist es den Betroffenen (Patienten UND Angehörigen) in der weiteren Zeit gegangen, nachdem sie sich hier im Forum nach Hilfe umgesehen haben. Was gibt es im Verlauf zu erzählen, was auch anderen Forenbesuchern weiter helfen kann. Die Gemeinschaft von Gleichgesinnten kann schon oft helfen.....Von daher: alles Gute für dich und deine Lieben und vielleicht hältst du ja, wenn du Zeit und Lust hast, Kontakt zu diesem Forum.....

#6

Marlene

Salzburg, Österreich

Hallo Senne1,

Ich hoffe dir geht es mittlerweile auch besser, beim Schreiben scheint es dir ja schon recht gut zu gehen:)

Dieses Forum ist mir leider etwas in Vergessenheit geraten die letzten paar Monate, aber hier bin ich.

Der Schlaganfall von meinem Vater ist mittlerweile 7 Monate her und es hat sich seither einiges getan!

Mit der Reha war er überhaupt nicht zufrieden, er ist sich eher 'dumm' vorgekommen weil diese ihm Aufgaben gegeben haben die an Kinderaufgaben erinnern..er erzählte immer wieder wie wenig ihm das geholfen hat..weder mit Sprache oder sonstigen Ergo Therapien..Die Einheiten pro tag waren immer nur sehr sehr Kurz 25 Min Logopädie, 25 Min Ergo, 25 Min Sport usw..dann war er dann um die 3 Stunden beschäftigt und das wars dann..und besuchen konnte ihn wegen Corona auch keiner..war NICHT erlaubt..er wurde sogar 2 Wochen FRÜHER nachhause geschickt weil die Reha Kliniken schließen mussten..Meiner Meinung komplett falsch wenn es sich um Schlaganfall Patienten handelt!!

Nun ja, wir haben jedenfalls jeden Tag telefoniert..da hat er sich die meiste Zeit darüber aufgeregt das es nichts und nichts zu tun gibt da das Therapiezentrum am Berg oben ist..

Beim Telefonieren konnte ich trotzdem jeden Tag Verbesserungen bemerken..er erklärte mir einmal das die 'Zeitung' für ihn endlich wieder mehr sinn ergab..ich verstehe bis heute nicht genau was er damit meinte aber er war fasziniert und glücklich so einen 'Durchbruch' mit der Zeitung gehabt zu haben. Ich war es auch.

Zuhause angekommen, habe ich ihm erstmal einen Logopäden organisiert. Das ging gut für knapp 3-4 Wochen bis er auch diesen abgelehnt hat..Er war der Meinung das dieser Privatlehrer sich auch garnichts bringt da er ihm immer wieder nur die selben Hausaufgaben gibt, diese aber nicht kontrolliert oder mit ihm durchgeht..während der Therapie Stunde hat er anscheinend auch nur mit dem Handy gespielt. Ich habe ihm angeboten einen neuen Logopäden zu organisieren. VERGEBLICH. Er wollte niemanden mehr. Er ist fest davon überzeugt das die Sprache von allein viel besser wieder kommt. Er ist dann auf LinguAdapt umgestiegen..ein online Programm wo er zuhause auf dem Computer diverse Übungen machen kann, die dann automatisch kontrolliert werden..er hat das für einige Zeit gemacht..Jedenfalls meint er das Logopädie hauptsächlich nur reine Ausbeute ist, da er immer mehr gemerkt hat wie sich seine Sprache von allein immer mehr zurückbildet. Ich kann ihm da auch nichts anderes einreden.

 

Zu seinem heutigen Zustand: Er hat sich viel verbessert, man kann mit ihm heute fast normal sprechen, das einzige Problem sind seine Wortfindungsstörungen..die umschreibt er aber dann meistens. Er wohnt alleine und kann wieder alles selbstständig machen. Auto fahren, Kochen, einkaufen...das einzige was ihm noch zu schaffen macht ist zum einen das Schreiben: Der Satzbau ist teils noch sehr gestört und beim Lesen muss er sich auch viel mehr anstrengen..Bevor er z.B eine Email bzgl seiner Arbeit abschickt (Er ist Selbstständig, eigene Firma), kontrolliere und verbessere ich diese vorher immer. Er meint es wäre trotzdem besser die Firma aufzugeben, da ihm das soviel Druck bereitet..

Alles in einem kann ich sagen das er mit der Zeit immer besser wird, auch wenn es am Anfang hoffnungslos erscheinen mag, ist Licht am Ende des Tunnels!! Ich merke bis heute, jeden Tag, Verbesserungen. Meistens ist die Sprache mehr gestört wenn er unter Druck steht (oder er sich selber Druck macht) und denkt er muss schnell reden. Das ist auch so ein Problem, er redet die meiste Zeit viel zu schnell, wenn er sich allerdings Zeit lässt dann geht es ziemlich gut. Er erklärt es immer so: Wenn jemand mit ihm redet, dann braucht sein Gehirn ein paar Sekunden länger bis er das gesagte verarbeitet. In Unterhaltungen mit Leuten kann dies dann zur Last für ihn werden weswegen er gewisse Gesellschaften & Orte noch meidet. 

Ich sage ihm immerwieder er soll sich einfach Zeit lassen und vorallem Geduldig sein. Ich bestätige dann immer das er im Vergleich zu Februar heute SO GUT redet. Es kann sich noch einiges tun in den nächsten Monaten..er sagt er glaubt nicht das es wieder zu 100% wird oder besser..ich persönlich glaub schon fest daran, zumindest wenn ich mir den Fortschritt der letzten Monate angesehen habe. 

Momentan ist er mit seinem Wohnmobil campen und genießt die Ruhe..ich bin super froh das er wenigstens all diese Dinge wieder machen kann..

 

Übrigens: Da er alleine wohnt: Ich besuche ihn mehrmals die Woche und wir gehen auch öfter was essen am Wochenende. Telefonieren sowieso jeden Tag. Leider ist es aufgrund meiner Arbeit und Wohnsitz nicht anders möglich aber ich gebe mein bestes das er sich nicht alleine fühlt!! Ausserdem habe ich seither eine Art Trauma entwickelt das ich die ganze Zeit ANGST hab das es nochmal passiert..ich versuche ständigen Kontakt zu halten.

 

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, werde das Forum ab jetzt öfter besuchen.

Danke und Liebe Grüße

Alice

#7

BIRGIT

Hecklingen, Deutschland

Hallo Marlene und all die Anderen, die hier Posten, ich bin stiller Teilnehmer des Forums und wollt nur mal loswerden wie gut es tut von den Fortschritten zu lesen, das macht Mut und ich merke auch bei meinem Mann täglich kleine Fortschritte.

LG an Alle

Birgit

#8

Susanna

Köln, Deutschland

Hallo Malene (oder Alice?),

 

mein Vater hatte vor drei Wochen einen Schlaganfall und deine Erfahrung zu lesen hat mir echt Mut gemacht.

Ich wollte auf einen Aspekt deiner letzten Nachricht eingehen, weil ich mich in den letzten Tagen viel damit beschäftigt habe, denn auch mein Vater hat bis zum Schlaganfall alleine gelebt und wurde erst nach ein paar Stunden gefunden.

Es gibt für Alleinstehende viele Möglichkeiten, auch in Notsituationen um Hilfe zu rufen. Sei es in Form von SOS Armbändern oder dem Hausnotruf der Caritas oder, was viele nicht wissen, mit dem iPhone. Hierzu muss nur 5x schnell hintereinander die obere Ausschalttaste am iPhone gedrückt werden und es wird ein Alarm ausgelöst. Dabei muss man im Vorfeld Notfallkontakte hinterlegen und diese erhalten dann automatisch eine SMS. Zudem wird auch die Ortung eingeschaltet, sofern sie deaktiviert ist. Seit dem Update auf 13.3 wird auch direkt der örtliche Rettungsdienst benachrichtigt. 

https://www.t-online.de/digital/handy/id_86998048/notruffunktion-fuer-iphone-jetzt-finden-rettungskraefte-schneller-zum-unfallort.html

https://support.apple.com/de-de/HT208076


Natürlich muss man in der Notsituation auch in der Lage sein, das zu machen. Mein Vater hatte z.B. sein Handy bei sich, ist aber leider nicht in der Lage gewesen, es zu bedienen. Trotz Gesichterkennung.

Da wäre dann z.B. der Hausnotruf der Caritas (oder einer anderen Organisation) hilfreich, die dich dann, wenn du den Knopf drückst kontaktieren und wenn du nicht reagierst, den Notruf aktivieren und, da sie den Haustürschlüssel vorher von dir bekommen, zu dir fahren. 

https://www.caritas.de/glossare/hausnotruf

Vielleicht findet ihr ja eine Möglichkeit, dass du die Sorge um ihn, da er alleine lebt, etwas ablegen kannst.

Ich drück euch die Daumen, dass es bei dem einen Schlaganfall bleibt und dein Vater noch viele, viele Jahre glücklich und gesund lebt.

 

Liebe Grüße 

Susanna

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