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Das Schlaganfall Forum  
Dienstag, 07. Februar 2012, 23:08

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Forum - Man fühlt sich machtlos

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Man fühlt sich machtlos
# 1 Zum Seitenanfang
Schlaganfall mit 57

Hallo!

Habe mich gerade ein bischen hier im Forum umgesehen und habe das Gefühl, dass auch ich mit meiner Geschichte hier gleichgesinnte finde, die mir Trost , Hoffnung und Tipps geben können.

Meine Mutter hatte am 18.7. in Irland einen Schlaganfall. Meine Eltern hatten dort eine Rundreise mit einer Reisegruppe gemacht, am letzten Tag passierte das für mich immer noch Unfaßbare: Meine Mutter hatte einen Schlaganfall. Beide Aortas waren verstopft.

Im KH in Dublin hatte man leider nur eine Aorta mit Hilfe eines Stants (?) (entschuldigt bitte, falls ich Wörter nicht richtig schreibe, aber ich bin im fachchinesich der Medizin noch nicht ganz auf dem Laufenden....)  frei bekommen. Zur Unterstützung meines Vaters sind meine Schwester und ich tach Dublin geflogen. Die Kommunkation mit den Ärzten und Schwestern war leider wegen der Sprache nicht immer gut, daher haben wir wohl auch viele Fragen erst jetzt beantwortet bekommen. Ansonsten können wir von der Herzlichkeit der Iren noch viel lernen....

 Meine Mutter wurde, dank der Zusatzversicherung, letzten Samstag nach Deutschland zurücktransportiert. In Irland sagte man uns Sie hätte ein Ödem in der rechten Gehirnhälfte und man konnte sie deswegen noch nicht von dem künstlichen Koma entwöhnen, da sie, neben bestimmten Medikamenten zur Rückbildung des Ödems, ruhen müsse. Erschwerend bekam sie aufgrund der künstlichen Beatmung auch noch eine Lungenentzündung.

Meine Mutter liegt aktuell immer noch im Koma. Allerdings erfuhren wir heute vom Neurologen, dass aus seiner Sicht nie ein Ödem dagewesen ist. Der 3. bis 7. Tag und der 14. Tag sei immer kritisch für eine eventuell noch kommende Schwellung. Ebenfalls sagte er uns, das 2/3 der rechten Gehirnhälfte  betroffen sei (CT haben wir auch gesehen). Links sei sie gelähmt und wenn sie Rechtshänderin sei, dann wäre das Sprachzentrum nicht betroffen. Sie wird wohl nach Monaten Reha vielleicht im Rollstuhl sitzen und mit ganz viel Motivation gegebenenfalls auch nur teilweise gelähmt bleiben.Leute mit 85 Jahren würden bei diesem Schlaganfall im Pflegeheim landen.

Am Vormittag nach der Visite bekamen wir noch die Nachricht von dem Anästesisten, das das Ödem austherapiert und die Lungenfunktion meiner Mutter sehr viel besser geworden sei. Und dann am Nachmittag dieser Neurologe:(!..... Puh, das war hart. Jegliche Euphorie und Hoffnung waren.... weg. 

Im Augenblick fühle ich mich so machtlos den Ärzten ausgeliefert. Auf was müssen wir uns einstellen, wenn Sie aufwacht? Erst dann kann man doch erst definitiv festestellen, was genau nicht mehr funktioniert. Man kann doch anhand von dem CT nur vermuten, was für Folgeschäden auftreten!? Was ist, wenn meine Mutter nun rechts geschrieben hat, aber mit links bspw. mit der Schere geschnitten hat? Als Kind wurde sie noch umerzogen.

Vielleicht gibt es da draußen jemanden, der uns Mut machen kann. Habt ihr auch schon s0lche Erfahrungen gemacht? Gibt es wirklich nur Schema F bei einem Schlaganfall? Jeder Mensch ist doch verschieden....

 

VG

Tanja             

 

 

 

Bild 28.07.2010, 21:33
RE:Man fühlt sich machtlos
# 2 Zum Seitenanfang

Hallo Tanja,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Natürlich ist jeder Mensch verschieden, und es gibt keine "Heilung nach Schema F".
Mein Papa war 56, als er seinen Schlaganfall hatte (Dezember 2009) und bei ihm war die Prognose "im besten Fall Pflegefall".
Es hat sich schon sehr viel getan bei ihm, er sitzt den ganzen Tag im Rollstuhl und ist geistig fit. Seine linksseitige Lähmung hat er bis jetzt (fast) komplett beibehalten. Aber die Hauptsache ist doch, dass er lebt, und das ist bei deiner Mutter genauso!

Er war zwar nicht im Koma, aber als er im KH war hat er ganz, ganz viel erzählt. Er war erst verwirrt, aber das hat sich nach spätestens vier Wochen gelegt. Nach einem Monat konnte er wieder ganz normal Essen und Trinken.
Die Lungenentzündung ist, soweit ich weiß, fast "normal". Wenn man liegt und sich nicht bewegt, dann kommt sowas schnell. Der Körper ist ja zudem sehr geschwächt.

Ihr müsst jetzt viel Geduld haben. Seid für eure Mutter da, sprecht ganz viel mit ihr und erklärt ihr die Situation. Bringt ihr Bilder und Gegenstände mit, die sie zu Hause gerne hat.

Alles Gute euch!

Bild 28.07.2010, 23:09
RE:Man fühlt sich machtlos
# 3 Zum Seitenanfang

hallo

ich kann mich dem nur anschließen, habt geduld, mir geht es nach 1Jahr heute fast wieder gut.

lg

Bild 29.07.2010, 05:09
RE:Man fühlt sich machtlos
# 4 Zum Seitenanfang

Hallo,

mein Lebensgefährte war im Mai diesen Jahres genauso alt, wie Deine Mama, als er seinen schweren Schlaganfall hatte. Ihm wurde wegen der Gehirnschwellung die halbe Schädeldecke entfernt, mittlerweile ist sie wieder drauf. Er lag auch tagelang damals im Koma. Inzwischen hat er schon eine ganze Zeit Reha hinter sich. Auch er ist zwar links immer noch gelähmt aber das linke Bein ist schon etwas beweglich, er läuft mit Hilfe der Therapeutin und Stange schon ein paar Schritte. Das mit dem Arm sieht noch nicht so perspektivisch gut aus. Aber er kann alles essen, trinken, spricht und denkt beinahe wie vorher, bis auf leichte Orientierungs und ganz wenig Gedächtnisstörung.Mit 57 gilt man noch als junger Patient hinsichtlich Schlaganfall und wenn Deine Mama in einer guten Reha ist, werden die ganz viel bei ihr bewegen können. Nur frühzeitige Reha ist ganz wichtig, je eher, um so besser.Mein Schatz war schon 4 Tage nach dem Koma in der Reha.

Habt Geduld, es wird sich noch sehr viel bewegen bei Deiner Mutter.

L.G. Sunkat

Bild 29.07.2010, 07:23
RE:Man fühlt sich machtlos
# 5 Zum Seitenanfang

hallo,

ich war etwas jünger als ich vor sechseinhalb jahren eine stammhirnblutung hatte.
durch eine nichterkannte infektion hab ich auch keine hüftköpfe mehr.
ich hab eine tetraparese, bin also am ganzen körper sensorisch gelähmt,
ich bin aber in der lage in einer wg mit betreuung zu leben.
das gehirn ist in der lage sich zu großen teilen selbst zu reparieren,
dieser vorgang dauert aber sehr lange zeit.
es wird viel therapir brauchen, an dem vorgang sind so viele faktoren beteiligt,
dass kein arzt sagen kann was in fünf jahren ist.
das ein teil des gehirns betroffen ist heißt nicht völlig inaktiv.
ich wünsche euch kkraft und geduld.

willkommen im forum.

l.g. margy

---

Wenn ich für etwas bin, bin ich nicht automatisch gegen alles Andre.
http://www.margy-plauen.de      
http://margy-selbsthilfenetzwerk.blogspot.com/
wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, um zu entscheiden, wann eine Lösung richtig ist.“    – David Dunning[
das gilt natürlich auch für meine Meinung

Bild 29.07.2010, 07:50
RE:Man fühlt sich machtlos
# 6 Zum Seitenanfang

Herzlich willkommen im Forum! Hier kannst Du Dir Tipps, Trost und Anregungen holen.

Ich hatte vor knapp 2 Jahren einen SA, 8 Wochen KH, 7 Wochen Reha. Von Geburt an bin ich Beidhänderin, mache heute noch (freiwillig!) alles Schwere mit links. Es war bei mir die rechte Seite betroffen. Bei einem Gespräch nach CT in der Uniklinik sagte mir der Prof., eigentlich müßte die Sprache weg sein. Aber da ich sog. Beidhänderin bin, wäre die Sprache o.k., da in meinem Gehirn alles an der anderen Seite sei. Aber das sei nicht die Regel.

 Das einzige, was Deine Mutter jetzt braucht ist Zeit und Ihr Geduld. Du hast recht, das ganze Ausmaß des SA wird man erst feststellen, wenn sie wieder wach wird. Aber sie ist noch jung genug, viele Dinge wieder neu zu erlernen. Ihr werdet lernen, daß man den SA zu akzeptieren hat. Das mußte ich persönlich auch.

Für die kommende Zeit viel Kraft wünscht Euch Tina

 

Bild 29.07.2010, 11:28
RE:Man fühlt sich machtlos
# 7 Zum Seitenanfang

Hallo!

Vielen Dank für eure Antworten und dafür, dass ihr mich so nett aufgenommen habt. Habe leider noch keine positiven Nachrichten. Es ist halt immer so, dass eine positive von einer negativen Nachricht kaputt gemacht wird. Little by little, wie die Irländer sagen....Ja, Geduld brauchen wir und die Kraft es mit meiner Mutter zusammen durchzustehen.

Meine Mutter hat jetzt den Luftröhrenschnitt bekommen. Und sie kann wohl, die vorher als komplett gelähmte Seite prognostiziert wurde, den linken Fuß und die Schulter bewegen. Sie wird nun aufgeweckt, heisst, dass die Narkosemittel komplett abgesetzt werden....!?

Wacht sie bald auf oder nicht! Ich drücke die Daumen und hoffe es so sehr. 

Alle Betroffenen, ich danke euch sehr, dass ihr euer erlebtes als Motivation für die anderen hier reinsetzt. Egal, wie es bei meiner Mutter ausgehen wird, ich werde dieses beherzigen und auch Hoffnung und Tipps weitergeben.

Danke!

Ich halte euch auf dem laufenden....

VG Tanja

 

Bild 31.07.2010, 20:04
RE:Man fühlt sich machtlos
# 8 Zum Seitenanfang

Hallo Tanja,

das mit dem Luftröhrenschnitt machen die Ärzte "vorbeugend" da niemand sagen kann, ob Deine Mama von allein atmen wird nach dem Koma. Mir erklärten die Ärzte dass, sollte sie nicht allein atmen, ganz schnell ein Beatmungsschlauch in die Lunge geführt werden muss und bei dieser Schnelle könnten unter Ümständen die Tonsillen verletzt werden. Daher der Schnitt. Bei meinem Mann wäre es im Nachhinein nicht nötig gewesen, da er allein atmete. Aber wie gesagt, das kann man vorab nicht sagen, von daher bin ich darüber nicht böse. Inzwischen ist der Schnitt von allein wieder zugeheilt, zurück bleibt ein kleines Loch, was aber kaum auffällt, Deine Mama kann ja später ein kleines Halstuch drüber decken. Ach und mach Dir keine Sorgen, sollte Deine Mama nicht gleich sprechen können, mit nur dem Beatmungsteil im Hals geht das nicht, da das ja logisch Luft zieht, Es gibt einen speziellen Sprachaufsatz, Sollten die Ärzte den nicht draufsetzen von allein, frag gezielt danach. Und das aufwachen nach dem Koma dauert ein paar Tage, ca 2,3. Je nachdem wie schnell die Ärzte das Narkosemittel reduzieren. Dann müsst Ihr vor der Mama ganz stark sein-bitte nicht weinen, ist alles schlimm genug für sie zu realisieren, was passiert ist. Was der Grund für ihren Krankenhausaufenthalt ist, würde ich ihr auch nur nach und nach erzählen und nicht die Holzhammermethode. Bei uns war das nämlich so, dass mein Schatz aufgrund des SA eine sehr hohe Sensibilität entwickelt hat, nahe an einer Depression. Und bei Depressionen müsste sie weitere Medikamente nehmen, zusätzlich zu den vielen, die sie ab jetzt eh nehmen muss. Und wer will das schon?

Ganz viel Kraft weiterhin, L.G. Sunkat

Bild 01.08.2010, 07:20
RE:Man fühlt sich machtlos
# 9 Zum Seitenanfang

Hallo!

Danke Sunkat, dass hilft mir sehr..... Gestern war ich wieder im KH und meine Mutter hatte die ganze Zeit die Augen auf. Sie wirkte sehr verschlafen -verständlich- aber sie schaute mich direkt an und sich um. Ich war ganz tapfer und habe in ihrer Gegenwart nicht geweint. Warum sie da ist, haben wir ihr auch nicht gesagt. Der Pfleger meinte, dass sie noch nicht ganz realisieren kann, wo sie ist und was passiert ist. Halt wie ein Traum! Wir haben abwechselnd ihre Hand gehalten und ihr Gesicht gestreichelt und ihr Dinge von den Enkelkindern oder eben was uns gerade einfiel erzählt. Mein Vater ist dabei so Klasse, der redet mit ihr, als sei alles i.o.....so ist es glaub ich auch am Besten! Aber ich habe schon mit meinen Tränen zu kämpfen und da spricht man halt irgendwie anders. Schließlich war sie es immer, die uns getröstet hat, wenn wir krank waren....

Morgen wollen die Ärzte sie erstmal für 5 Minuten von der Beatmungsmaschine nehmen, um zu sehen, ob sie es selber schafft zu atmen. 

Sie hat beide Beine bewegt und die linke Schulter. Versucht zu schlucken, hat sie auch....ich bin voller Hoffnung.....   

Die Pflegefachkraft ist super, ehrlich und direkt aber auf ganz sympathische Art und Weise. Der geht super mit meiner Mutter um. Und kümmert sich auch um uns, indem er einfach mit uns redet. Ich finde das es auch unheimlich wichtig ist, das es für die Angehörigen eine Art Anlaufstelle gibt. Das war in Irland z. B. auch wirklich super. Da hat eine Stiftung den "Visitor room" erschaffen. Dort stehen bequeme Sessel und Sofas drinne. Da ist ein Fernseher, Spiele und eine Teeküche mit Kühlschrank. Nebenan ist eine Bettenraum und ein Badezimer mit Dusche. Es waren dort viele Angehörige, der Intensivpatienten,die sich dort lange aufhielten. Dabei entwickelte sich eine Eigendynamik, soll heissen die Agehörigen, die quasi alle im selben Boot sitzen, alle voller Sorge und Hoffnung, haben sich gegenseitig unterstützt. Man wurde gefragt, wie geht es Deiner Mutter, wie geht es Dir, und man hat zurück gefragt und so konnte jeder seinen Schmerz oder auch gute Nachrichten erzählen. Dann wurde immer für Essen gesorgt, einer hatte immer etwas mit. Wenn Tee oder Kaffee gekocht wurde, dann wurden alle gefragt, ob sie welchen wollten. Es wurde zusammen abgewaschen und auch mal gelacht. Diese Atmosphäre fehlt hier in Deutschland total. Schade eigentlich....   

 

VG Tanja   

Bild 02.08.2010, 10:17
RE:Man fühlt sich machtlos

Hallo Tanja,

ja so ähnlich, wie bei Euch lief das bei uns auch ab in der Aufwachphase. Dass Ihr so tapfer seid und Euch normal mit ihr unterhaltet ist absolut richtig. Mein Schatz meinte damals nach dem Koma, er sei hingefallen und habe sich am Kopf verletzt ( ihm haben sie ja die halbe Schädeldecke abgenommen). Inzwischen weiß er natürlich, was wirklich mit ihm passiert ist. Ich hab es ihm nach und nach erzählt. Grundsätzlich und perspektivisch gesehen muss sie natürlich erfahren, was mit ihr passiert ist, um zu verstehen, was und warum Dieses oder Jenes mit ihr gemacht wird. So wie das in Irland ist, hört sich echt toll an. Ich wünsch mir oft einen Austausch mit Betroffenen. Das hier im Forum ist natürlich kein Ersatz für persönlichen Erfahrungsaustausch. Und das Personal in der Klinik ist zwar im Großen und Ganzen ganz ok aber das ist eben NUR Personal, keine persönlich Betroffenen.In welcher Stadt liegt Deine Mama eigentlich in der Klinik? Vielleicht hast Du das ja schon mal geschrieben und ich hab es überlesen !?

Alles Liebe und Gute weiterhin

Sunkat

Bild 03.08.2010, 08:00
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